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Der jüdische Student · 1908-05-22 · Heft 2 (22.5.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 2 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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36 Der jüdische Student. ibn Gaäirols. Wenn er mit einem, Reuter gleichwertigen, jüdis Tien Humor fhier durchaus nicht Witz!) seinen Hirsch Hyazinth schildert, dann streichelt er gleichsam den armen Schacher mit verstehender Hand md spürt wohl auch im Innern einen Teil dieses wehmütigen Gemisdies von Ghettoluft und Drang nach Bildung, nach Europäertum. Cüder er sitzt mit zu Gaste an dem Tische, auf dem Moses Lump, umgeben von seiner schiefen Frau und noch schiereren Tochteu. mit der Hoheit und Sicherheit eines Königs den Schabbesleuchteir angezündet hat. (Unwillkürlich erinnere ich mich des Ghettdledes: „Freitag auf die Nacht ist jeder Jid a Melechl") Brauels ich noch den vielgenannten Rabbi vovn Bacharach ins Gedächtnis zu rufen, das düstere Märtyrerlied, den Beschwörer tausenüährigen Schmerzes? An diesem Punkte wird Heine meist in -aller Stille, aber mit verhaltener Glut, zum Range eines Nationaljuden oder gar Zionisten emporg^adelt. Abgesehen davon, dass es dem einigermassen Feinhörigen ein Lächeln abzwingt, wenn er diese modernen Erkennungsschilder einem Manne umgehängt sieht, der ahnungslos genug war. von ihnfti nicht das geringste zu wissen, ist eine solche Parallele sachlich durchaus unrichtig. Zum Nationaljuden und besonders zum Zionistea gehört vor allem Bewusstsein. klares Frfassen des Zieles. Fin uiitewusster Nationaljude scheint mir genau so ein Unding wie ein Biifeuer. dem die Gabe des Formens fehlt. Heine hat sich immer mm als deutschen Dichter betrachtet, sein Stolz ist, ein deutscher Dichter, im deutschen Lande bekannt zu sein. Fr treibj nicht nmonaljüdische, sondern einzig deutsche Politik und liebt sein deutsches Vaterland nicht weniger heiss als dieiüdischen Dichter Spanien oder die Gewässer des Jordans, in die sich all seine Tränen ergiessei. Das est es: Fr muss das eine tun und kann vom andern nicht lassen; .myei Seelen wohnen in seiner Brust. Griechentum und Ger manentiasi. die ewig Anti-Semitischen, locken den Deutschen in ihm immer cans neue; er liebt seine Landsleute, selbst wenn er sie hundert Male wie die verachtungswürdigsten Geschöpfe behandelt. (Die Goimanen sind ja mit den Griechen eng verwandt; auch sie haben, wie er in den Flementargeistern zeigt, vor der Ueberriimpelurg durch das saftlose Scheinbrot des spiritualistischen Kultus vom wii&lichen Brote des Pantheismus gelebt. Wider alle Natur ist es daher..aus Christus einen Germauen zu machen: Sein Wesen und seine Ldire lagen diesen lebensprühenden Riesen so fern, wie mir immer Rui dem Logos gewesen.) Aber auch der Jude schreit nach Raum zim Atmen, will sich dem Andern nicht gefangen geben, bricht an Sielten hervor, wo ihn der Gegner am w enigsten erwartet. Beide nährt der Dichter aus den Quellen seiner Kunst, muss-sie nähren, immer erneut auf einander hetzen. Denn sie gehören zu ihm wie Tag und Nacht zum Leben, wie Licht und Schatten zur Sonne. Fr müsste ertrinken, wenn ihm das eine fehlte, und wäre entwurzelt.

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