Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 2 (22.5.1908)
- Date
- 1908-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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35 Streit zwischen webabgekehrtem Judengeist und hellenischer Lebensfreude. Fhen dieser Judengeist hat den ärgsten tiass des Juden Heine zu ertragen. Rom ist nach seinen Worten durch „judüisches Gift*4 zerstört worden. Kr halt die Romantiker von vornherein für verwerflich, weil sie in ihren Dichtungen von der Natur zur mittelalterlichen Poesie zurückeilen, die nichts für sich als schön und lebendig gehen lasse, sondern t überall spiritualistisehe ' Beziehungen hineinfable. Er führt ein sehr ergötzliches Beispiel an: Wenn Homer die Rüstungen seiner Helden schildert, so-sieht er nichts als eine Rüstung, so und so viel Ochsen wert. Beschreibt aber ein Mönch die Röcke der Mmter Gottes, dann meint er sicher damit ebensoviel Tugenden. Alles Unheil des Mittelalters, Kreuzzüge und Herenunfug. Askutentum und "Judenverfolgung führt Heine auf dieselbe Wurzel zurück, und strahlend hebt sich von diesem freudlosen Gewitterhimmel eine Sonne ab. der seine ganze Verehrung und Sehnsucht gilt: Das Bild Goeth.es. des Olympiers, des Wolfgang Apollo, wie er ihn einmal nennt. In ihm scheint die solange totgesagte griechische Welt, zur klarsten, gedrängtesten Form geläutert, wieder erwacht zu sein. 4 Doch sonderbar: derselbe Heine, der sein Leben in griechischen Stil ummodeln nvichte. hegt eine fast zärtliche Liebe zu allem, was mit dem Ju lentum in Zusammenhang steht. Jehuda Halevy, der sich ein-, r spirimaüstischen Idee opfert, dessen Gedichte nach den biblischen Büchern vielleicht - die reinsten Ausstrahlungen des verachteten Judengeistes sind, wird ihm eine wunderbare, grosse Feuersäule des Gesanges, Stern und Fackel seiner Zeit, gewinnt doppelt an Grösse, weil er auf den Knicen seines traurig armen Liebchens sterben durfte, auf den Knicen Jerusalems. In denselben Hebräischen Melodien besingt Heine die Schule Jchud.as. den Talmud: und nie sind Halacha und Hagada dichterischer erschaut worden als es hier geschieht. Fr muss diese frühen Frzeugnisse jüdischen Denkens mit einer Liebe gelesen .haben, wie sie kaum heisser in der Brust des eigentlichen Talmudjuden - des denkbar schärfsten Gegensatzes zu Ooethesehem Griechentum —- glühen konnte, mit einem Verständnis für jüdischen Volksgeist, wie es sicherlich die wenigsten von uns Heutigen besitzen. Noch mehr: Fr steigt von diesen klaren Quellen der Kunst und des Genusses auch hinab in die Niederungen der Judenheit. ins kleine verängstete Ghetto, das ihn trotz seinen kümmerlich erleuchteten Stuben und seinen verborgenen Menschen doch zum Betrachten, und sogar zu recht scharfem Betrachten reizt. Nichts ist ihm hier unbekannt, weder die Schabbesfrau, die Sonnabends die Lichter putzt, noch dieweisse Knoblauchbrühe mit di-n zarten Rettigsehcibeben, die am Freitagabend Israel, den Hund rüt_ hündischen Gedanken, wieder zum Menschen mit menschlichen Gr*üh!en wandelt. Kr k-^nnt che 1 Ierkunrt Schlehmilebenso genau wie die Bedeutung des Tausves — Jontof oder die Schriften Salomon