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Der jüdische Student · 1908-05-22 · Heft 2 (22.5.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 2 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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34 Körper sinl in Wahrheit una eaelenupie" res, ergänzen sich, fliessen durcheinander in ungestörtem Wechsel. Der grosse Plan, der naive bocksbeing;e Hirtengott, der im Walde verträumt seine Hüte bläst, wird das Sinnbild dieser Zeit: Dionysos, der -Unerschöpfliche an Frohsinn md Weinlaune, führt den Reigen des Lebens. Düster und feierlich, w ie der' \orausstreichende Hauch eines mittelalterlichen Klostergew ölbes, drängt sich in diese Welt allmählich, aber immer erdrückender der auf Palästinas Boden still herangereifte Juiengcist. Logos beginnt mit Pan einen unerhörten Kampf. W as demdinen das Wertvollste im Leben dünkt, w iegt dem andern leichter alte Kork; wo jener alljs Gewicht erblickt, sieht dieser ein Mittel, eimn Uebergang. Nach mientdeckten Fernen langt der grübelnde Geist und wendet sich, im Tiefsten unbefriedigt, vom Greifbaren ab, das „um uns*" verkehrend in ein geheimnisvolles „über uns4*. Als \ollends die starrste Ausgestaltung dieser Lehre durch Jesu* von Nazareth geschaffen wird, da ist die blühende Umwelt nur loch ein Heer von Lüften, ein Sammelplatz für Teufel. Alle Hoffning klammert sich ans jenseits, „bei meinem Vater im Himmel". Die Urtriebe im Menschen, denen die -Griechen sich frei und doch mit sicherem Mass überliessen, das Sehnen nach dem Glück dieser Lrde werden gewaltsam unterdrückt; iir.tsagen tritt an die Seile von Freiheit, Roseiikränzc und Kirchenglocken scheuchen den glühenden Di »nys >s in graue Vorzeit zurix.;. Lkis Mittelalter mit seiner Abkehr vom Lehen ist eingezogen und hat die MächtigstGi unter seinem Rufe gebeugt. Nur manchmal noch tönt mit ersticker Stimme ein Klageruf durch die Wälder: Der grosse Pan ist tot. So ungefähr stellt sich für Heine dieser Unterschied dar. (Wer es in poetischer Vollkommenheit lesen will, schlage im zweiten Cyklus der „Nordsee" die Götter Griechenlands auf.) Fs ist derselbe Kampf.der gerade die neueren und neusten Denker immer wieder zur Lösunggelock; hat. (Ist eine Abschweifung gestattet? Schiller setzt das ltuve Zeitalter Homers in hellen Gegensatz zu dem eigenen „künstlichoi Wehalter", die Griechen sind ihm, „was wir w aren und wieder weiden sollen". Schopenhauer geht auf ihren Ursprung, die Inder zurick und wertet diese ungleich höher als die semitischen Grübler, -^arathustra kommt zu den Menschen, um „dieser Erde Sinn zu gdknr, verdammt die Hinterweltler, „deren Leib an der Erde verzweifelte44. Eine Gestalt Oskar Wildes träumt davon, dass das hellenkche Ideal zurückkehren werde, wenn unser Körper nicht mehr von tinsern unterdrückten Trieben vergiftet würde. Der Kaiser Jul'an kämpft mit fast wahnsinniger Wut gegen den blassen Galiläcr; sein Dichter sieht die Tragikomödie der Weit, die ihn in all seinen Werken beschäftigt, in dem Widerspruch z\\;s;hen Wollen, d h. Sehnen nach Griechischer Uiigebundenheit, und Können, d. h. jüdischen Moralgrenzen.) Ueberall ein gleich tiefer

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