Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 2 (22.5.1908)
- Date
- 1908-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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ÖZ Fürsprecher macht; aber schmerzen mnss es uns. wenn indische Blätter, wie die Mitteil. d. Abw. V., No. 11, sie unbedingt als das Fvangelium auch der Juden hinstellen. Dort wurden grosse Stücke aus der Tendenz-Broschüre des freistudenrisclien Führers Wilhelm Ohr abgedruckt. Einer väterlichen Aufsicht erfreut sich die Berliner Freie Studentenschaft von Seiten der L'nivcrsitäis-Behörden. Rektor und Richter' verboten angekündigte Vorträge ernster Wissenschaftler (Männer und Frauen) über sexuelle Probleme und über die Alkoholfrage. In anderer Weise wird für den V. D. St. gesorgt. Er erhielt für die von ihm angeregte Bismarck-Feier studentischer Korporationen einen Zuschuss aus dem Studcntcnfonds, der. aus obligatorischen Beiträgen gebildet, zur Unterstützung notleidender Akademikev dienen soll. (Abw. Mitt. 16/17). Der liberale „Deutsch-akademisc h e Freibund'' tagte vom 23.—25. April in Frankfurt a. M. Der angeblich die konfessionelle Absonderung auf den Universitäten bekämpfende, in Wahrheit antisemitische „V e r b a n d deutscher Hochschule n" liegt im Sterben," seine Zeitschrift. _ die „Deutsche Hochschule4*, ist eingegangen. Zu der Angelegenheit der suspendierten Staufia ist zu bemerken, dass der Universitätsrichter Dan de bestreitet, die Aeusserung: die Verweigerung der Satisfaktion sei für einen Juden keine Beleidigung, getan zu haben, während der einzige Augenzeuge, der beteiligte Student, entschieden dabei bleibt, von Herrn Daude dies gehört zu haben (B. T. vom 7. u. 12. IV.). In einem Artikel der Jüd. Rdsch. (No. 18) mahnt ein Herr Dr. med. Carl Kassel die jüdischen Studentenverbände, sich über alle innerjüdischen Parteiungen hinweg in einem einigenden, positiv-jüdischen Prinzipe zusammenzufinden und sich nicht durch einen Krieg in den eigenen Reihen zu schwächen. Fr sieht diesen gemeinsamen Boden in dem Bestreben nach ..umfassender kultureller Hebung der Juden, heraus aus dem Cihettogefühl zum freien Menschentum." Ob und wieweit sich diese Einigung durchführen lässt, ist recht problematisch; für uns jedenfalls kann es eine endgültige und fruchtbare Lösung des Kulturproblems erst in Palästina geben. Und es ist erfreulich, nachdem man soviel vom Antisemitismus registriert hat, der jedem lebendig fühlenden Juden schliesslich langweilig werden muss. etwas von den jüngsten Regungen jüdischen Lebens in dem Lande unserer Zukunft, zu berichten. Palästina wird in kurzer Zeit ein jüdische s T e c h n i k u m besitzen, dank einer Zuwendung der Warschauer Familie Wissotzky an den „Hilfsverein" in Höhe von 250 000 Fr., zu. denen bereits weitere 500 000 kommen. Im ganzen braucht man allerdings für den Anraner 2000000 Fr., und al> jährliche l nterhaltungssumme je luOOon Fr. Es ist aber so gut wie sicher, dass diese Gelder bald zusammenkommen werden. Nicht ohne Bitterkeit wird man diese finanziellen .Machtmittel des Zentral-