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Der jüdische Student · 1908-04-17 · Heft 1 (17.4.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 1 (17.4.1908)
Date
1908-04-17
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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18 Der jüdische Student. heilige Aufgabe sein, daran mitzuarbeiten, dass der Ghettojude wieder dazu erzogen wird, wie einst seine Ahnen den Pflug zu führen und die Sichel zu schwingen und an der Brust der Mutter Natur neue Kraft zu saugen. Kraft zur nationalen Auferstehung. — Der Jude muss zu dieser Entwicklung erzogen werden. Erzogen auf welche Weise? — Damit kommen wir zu der Frage, wie das alles, was wir hier als wünschenswert hingestellt haben, praktisch einzuleiten sein wird. Wir werden da die Erfahrungen zu berücksichtigen haben, die bei der Ansiedlung von jüdischen Kolonisten in Argentinien und Palästina gemacht worden sind. — Es hat sich dabei herausgestellt, dass es verfehlt ist, Männer und Frauen, die bisher in ganz anderen Berufen und Verhältnissen gelebt und sich betätigt haben, mit einem Schlage zu Bauern machen zu wollen. Das ist eine Forderung, die an keinen Menschen gestellt werden kann. — Aber selbst im Verlaufe von Jahren vollzieht sich eine derartige Akkomodation erwachsener Menschen an gänzlich andersgeartete Lebensbedingungen nur äusserst schwierig. Ein Jahr der Missernte oder selbst nur eines durch widrige Verhältnisse erschwerten Betriebes lässt solchem künstlichen Bauern das Herz in die Hosentasche fallen, lässt ihn vielfach das angefangene Werk wieder aufgeben. — Die Kosten einer solchen Art von Kolonisation haben sich daher auch im Verhältnis zu den Erfolgen als geradezu ungeheuerliche erwiesen. In der Regel entwickeln sich erst die in der neuen Heimat und in den neuen Verhältnissen geborenen und aufgewachsenen Söhne der Translozierten zu brauchbaren, tüchtigen Bauern. Vater und Mutter werden sich im allgemeinen im neuen Berufe recht wenig zu hause fühlen können. S o kann da also nicht vorgegangen werden. — Die dem jüdischen Volk fremd gewordene Tätigkeit muss seinen Sprossen schon in früher Jugend durch die Erziehung lieb gemacht werden. Die Kinder der Kleinkrämer, Viehhändler und Hausierer müssen als Bauernkinder schon aufwachsen, müssen als Bauernkinder spielend das alles lernen, was ihnen als Erwachsenen nach einer Kramladen-Erziehung nicht mehr beigebracht werden kann: all die Imponderabilien des Bauernstandes, wie das Jahr sich einteilt nach den fälligen Feldarbeiten, wie die Tiere behandelt sein wollen etc., kurz all das, was den Bauern so ganz selbstverständlich scheint. — Sie müssen schliesslich, und das ist beinahe das Wichtigste Pflichteifer, Selbstzucht und Selbstbeschränkung lernen; Beschränkung auf den kleinen, zugewiesenen Wirkungskreis, den man mit allen zu Gebote stehenden Mitteln und Fähigkeiten auszufüllen strebt, ohne stets mit Neid hinüberzuschielen zu dem anderen, der luxuriöser leben kann, der sich nicht so sehr zu plagen hat, und nach der Aussenwelt überhaupt, die Freuden und Genüsse hat, die der Bauer draussen auf seinem einsamen Gehöft nun einmal nicht haben kann. — Als Ersatz dafür sollen die Kinder die reinste und höchste Freude, die der erfüllten Pflicht, betrachten lernen.

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