Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 1 (17.4.1908)
- Date
- 1908-04-17
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Der jüdische Student. Es lässt sich ferner nicht leugnen, dass die Existenzbedingungen des kleinen Kaufmanns immer schwerere werden. Die überhandnehmenden Grossbetriebe machen ihn mehr und mehr unnötig, der Zwischenhandel wird durch den direkten Verkehr zwischen Produzenten und Konsumenten vielfach ausgeschaltet — der Wirkungskreis des Handeltreibenden wird dadurch immer enger. Die durch die Warenhaus - Entwicklung sich bietende grössere Anzahl von Angestelltenposten in den kaufmännischen Grossbetrieben kann diese Nachteile nicht ausgleichen, da unter diesen Stellen sich immer nur verhältnismässig wenige befinden werden, deren Bezahlung zum Unterhalt einer Familie ausreicht, und andererseits der Jude nicht zu denen gehört, die sich gern und widerspruchslos unter einen höheren Willen beugen, insbesondere wenn er glaubt, diesen an sachlicher Eignung gleichzustehen oder ihn darin gar zu überragen. So wird hier immer mehr Ueberschuss an Menschenmaterial entstehen, das, bei der Begrenztheit derjenigen Berufe, die nun einmal in der Judenheit traditionell geworden sind, nicht mehr aus noch ein weiss. — Die gelehrten Berufe, die bisher einen grossen Teil dieses Ueberschusses aufgenommen haben, zeigen sich übersetzt. Es existiert schon ein Proletariat von akademisch gebildeten Juden, das aufs schwerste ums tägliche Brot zu kämpfen hat. Wo ist da nun ein Ausweg aus diesen Schwierigkeiten und Gefahren? Die Juden müssen den engen Kreis der Berufe, der ihnen jetzt ja nicht mehr durch das Gesetz vorgeschrieben ist, zu erweitern streben und andere Berufe in ihn einbeziehen, die zugleich die Gefahren der bisher gepflegten zu paralysieren vermögen. Solche Berufe sind das Handwerk und die Landwirtschaft. Nun ist aber bei weitem das Handwerk nicht mehr so aussichtsreich wie in früheren Zeiten. Der Grossbetrieb beginnt auch hier die kleinen Meister unnötig zu machen, und es wird wohl nicht mehr gar zu lange dauern, bis die Tätigkeit des Handwerks -- mit geringen Ausnahmen — sich auf Reparaturarbeiten und dergleichen beschränken wird. Die Zahl der Beschäftigung findenden Handwerker wird sich also wohl kaum mehr merklich vermehren, und es wird daher nicht eben viel Platz für das Einrücken von jüdischen Meistern und Gehilfen vorhanden sein, wenn wir uns auch hüten müssen, diesen Zweig etwa gänzlich ausser Acht zu lassen. Zurj'jFabrikarbeit wird sich der Jude, wenn er nicht seine ganze Natur ändert, wohl kaum je in beträchtlicher Anzahl verwenden lassen, es steckt in ihm zu sehr der Trieb, nach oben zu kommen und selbständig zu werden; und das erscheint nirgends aussichtsloser als im Fabrikarbeiterstand. Auch wird man schwerlich auf sich nehmen wollen, die Juden einem Berufe zuzuführen, in dem ihnen die Beobachtung des Sabbathgebotes so ganz und gar unmöglich ist. Bleibt also die Landwirtschaft. -- Könnte eine vennehrte Zuwendung der westeuropäischen Judenheit zur Landwirtschaft ein