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Der jüdische Student · 1908-04-17 · Heft 1 (17.4.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 1 (17.4.1908)
Date
1908-04-17
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Der jüdische. Student. 15 In Babylonien, Nordafrika,. Arabien, Abessynien, Südfrankreich, Spanien, Portugal, Griechenland, Italien, auch teilweise in Deutschland — überall treffen wir, bis tief in die Zeiten des Mittelalters hinein, die Juden in landwirtschaftlicher Tätigkeit. Es ist dann im Laufe der Jahrhunderte den Juden in fast allen Ländern verboten worden, Grundeigentum zu besitzen und zu bewirtschaften, und sie sind so aus den ihnen von Natur viel näher liegenden Berufsarten in solche gedrängt worden, die sich gerade auf entgegengesetzten Gebieten bewegen, auf die Betätigung als Kleinhändler, Geldwechsler u. ä. Erst innerhalb der letzten hundert Jahre ist den Juden, wenigstens in den meisten Ländern, wieder die Möglichkeit gegeben worden, ihre Berufsarten frei zu wählen. Und da hat sich denn herausgestellt, dass bei ihnen im Laufe der Jahrhunderte des Druckes und der steten Ghetto-Beschäftigung die Fähigkeit und die Liebe zu werktätiger Arbeit sehr stark verkümmert, meist in eine direkte Abneigung dagegen übergegangen ist. Man muss es bedauern, dass es so gekommen ist, aber man darf über die Juden deshalb nicht den Stab brechen. Stets hingewiesen und hingedrängt zu Arbeiten, die den Geist und immer nur wieder den Geist anstrengten und übten, haben die Juden dieses Instrument zu einem den Durchschnitt weit überragenden entwickelt, und es ist durchaus verständlich, wenn sie diese Waffe nun im Kampf ums Dasein dort verwerten, wo die Verwertung die reichsten Früchte zu tragen verspricht, auf dem Gebiete des kaufmännischen Erwerbs. Denn wenn auch Landwirtschaft und Handwerk durch den Zusatz eines kräftigen geistigen Ferments an Aussicht auf Rentabilität nur gewinnen können, so ist doch das Minus an physischer Kraft und manueller Geschicklichkeit, das der Jude vorerst noch aufzuweisen hat, ein Nachteil, der viel schwerer wiegt als der Vorteil des vorhandenen intellektuellen Plus. — Und das weiss der Jude und er richtet sich darnach. — Nun sind wir uns heute aber klar darüber, dass diese Züchtung zum reinen Intellektualismus hin, wie sie, meist erst unter dem Zwang der Verhältnisse und dann aus der Macht der Gewohnheit heraus, bei uns Platz gegriffen hat, eine nicht schwer genug zu schildernde Gefahr bedeutet. Eine Gefahr für die physische und die daraus resultierende psychische Integrität unseres Stammes. Die stete, niemals nachlassende Nervenanspannung, der dadurch bedingte Mangel an geistiger Erholung, an Gemütsruhe, an Zeit, sich einem ruhigen Familienleben zu widmen — all diese Begleiterscheinungen im Leben des ums tägliche Brot kämpfenden Händlers und Kleinkaufmanns wirken aufreibend und zersetzend auf seine Gesundheit, lassen ihn zum nervösen, fahrigen, unter jeder ungewohnten Anforderung zusammenbrechenden Menschen werden.

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