Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 1 (17.4.1908)
- Date
- 1908-04-17
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 13 fahrt und den allgemeinen Kaiserkommers betrafen. Bei unserer Erkundigung in der Universität erkannten wir, dass die Zuschriften zurückzuführen seien auf den Universitätssekretär Dr. Haussmann, von dem wohl auch der unten angeführte Artikel stammt, und der die eigentliche Leitung der Universität führt; dieser gab sich die grösste Mühe, in dem Konflikte zu vermitteln; natürlich gelang es ihm nicht, unsere Stellung irgendwie zu ändern. Wir fuhren am 27. 1. gesondert auf und waren die einzige Korporation, die bei dem Kommerse fehlte. In den Tageszeitungen und am schwarzen Brett machten wir Mitteilung von einem eigenen Kommerse, der Rektor Hess für eine besondere Einladung danken, aber „er beteilige sich grundsätzlich nicht an Sonderkommersen und würde es bedauern, wenn einer der Dozenten daran teilnehme." Diese Furcht war unbegründet, wie wir überhaupt von einer Teilnahme studentischerseits nichts merkten. Die „Akademischen Mitteilungen", ein Blättchen, das die Universitätsereignisse registriert, brachten nach dem Bericht der Tageszeitungen einen solchen über den allgemeinen Kommers und knüpften in nicht ungeschickten und versöhnlichen Worten daran die Mitteilung vom Fehlen einer Korporation und deren Differenzen mit dem Ausschuss (wir waren namentlich nicht genannt). Wir antworteten in der folgenden Nummer (am 17. 2.) unter Bezugnahme auf die letzte: Der V. J. St. hat sich s. Z. grundsätzlich mit der Bildung eines allgemeinen Ausschusses einverstanden erklärt und hält auch heute noch hieran fest, jedoch lediglich unter der Voraussetzung, dass sämtliche Korporationen und Vertreter gleiche Rechten und gleiche Behandlung erführen. In einer Vertretersitzung zeigten uns jedoch antisemitische Aeusserungen, dass dieser Grundsatz nicht beobachtet würde. Dies, nicht „persönliche Differenzen", veranlasste unsern Austritt aus dem provisorischen Ausschuss und das Fernbleiben von den Veranstaltungen desselben. Den Wunsch, „die bestehenden Differenzen in üüte beizulegen", teilen wir, sind aber der Meinung, dass es sich weder mit der Würde selbstbewusster Juden noch mit der einer studentischen Korporation verträgt, die vorhandenen Gegensätze zu vertuschen und einen faulen Frieden herbeizuführen. Hochachtungsvoll..... Man reagierte nicht darauf. Es erschien der in Nr. 12 des Jüd. Stud. (S. 311) abgedruckte Artikel in der „Frankfurter Zeitung". Von hiesigen Blättern druckte die (liberal-demokratische) „Bürgerzeitung" die Ausführungen ab, jedoch ohne weitere Bemerkung. Die Akadem. Mitteilungen No. 10 (vom 26. 2.) bezeichneten den Artikel als von „anscheinend sehr gut unterrichteter Seite stammend" und gaben folgenden Kommentar: Sachlich haben wir dazu zweierlei zu bemerken. Einmal: dass ein derartiger Antrag, wie vorstehend geschildert, dem Rektorat tatsächlich zur Entscheidung nicht vorliegt. Und dann: die Zahl der jüdischen Studenten ist zu hoch gegriffen; in dem statistischen Jahrbuch für Elsass-Lothringen befindet sich eine Konfessionsstatistik der Studierenden aus dem Sommerhalbjahr