Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 1 (17.4.1908)
- Date
- 1908-04-17
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 11 Vielleicht gibt sich mancher, der es bis jetzt nicht tat, noch Mühe, unsere Auffassung anzunehmen; er wird im V. J. St. die ganze jüdische Sache stärken, und er wird vielleicht auch Freude dadurch gewinnen. Der Zweck dieser kurzen Erörterungen (ich betrachte es als einen grossen Vorteil dieser Blätter, dass man auf ihnen, was man aut dem Herzen hat, kurz sagen kann, ohne einen kunstvollen Artikel daraus zu drehen, möge die Zeitung und diese Herzensergüsse von einigen Superklugen ruhig verachtet werden) — der Zweck dieser Erörterung ist nicht, die einzelnen Momente des corporativen Princips durchzusprechen, wiewohl auch über Erziehung, Disciplinierung, Exclusivität einiges zu sagen wäre; mir liegt es gerade besonders daran, den Bundesbrüdern die Pflege der freundschaftlichen Beziehungen wieder einmal ans Herz zu legen; jenes alles regelt sich im übrigen meiner Ansicht nach von selbst auf ihrer Grundlage. Ihr sollt Euch daran gewöhnen, wie die Kletten zusammenzuhängen; ihr sollt den Willen pflegen, auch fürs Leben verbunden zu bleiben; ihr sollt so mit einander stehen, dass jeder davon überzeugt ist, der andere deckt mir den Rücken, hilft mir, soviel er kann. — Ich traf neulich hier in Heidelberg mit Eschelbacher zusammen; der klagte mir über die völlige Lockerung des Zusammenhanges, die bei uns nach der Zeit des Studententums einträte (dies Gespräch war überhaupt der Anstoss zu diesen Zeilen); von den wenigsten höre er etwas; ja, er habe nicht einmal Antworten erhalten, wenn er sich anlässlich von Examina, Verlobung, Niederlassung glück wünschend an Bundesbrüder wandte; so etwas ist in der Tat betrübend, so geringfügig es auch aussieht, und es muss aufhören. Wenn wir ein inneres Verhältnis fordern, so ist auch zunächst zu verlangen, dass man sich beweist, dass man an Freud und Leid der andern anteilnimmt; wenn man reist, nehme man die Präsenzliste mit und suche, wenn man irgend Zeit hat, mit den alten Bundesbrüdern, in deren Nähe man kommt, zusammen zu sein. -- Der Gedanke Westheimers, der dem K. T. in Form einer Neuordnung der A. H.-Verhältnisse vorlag, müsste schon längst von selbst Wirklichkeit sein: die Zusammenfassung der A. H.-schaft des gesamten B. J. C. nach örtlichen Bezirken; ich sehe es hier, dass eine Zusammenkunft der A. H. A. H. der hiesigen Gegend in Frankfurt eine Kleinigkeit wäre; warum finden sie sich nicht zusammen? Bitte, führt selbst die Konsequenzen meiner Gedanken weiter aus und handelt darnach. Heidelberg, den 17. 3. 08. Dr. Erich Rosenkranz.