Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 5 (1908-1909)
- Issue
- Heft 1 (17.4.1908)
- Date
- 1908-04-17
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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10 Der jüdische Student. obgleich sie es vor Tausenden von Jahren in hohem Masse gewesen seien. Nichts an ihnen hindere, dass sie wieder ein kriegerisches Volk würden. Sie sollten sich also auch physisch mehr zu betätigen suchen, wodurch sie die Achtung der anderen Völkerschaften, in deren Mitte sie wohnen, besonders der teutonischen und keltischen, gewinnen," — B. K. Das corporative Element. Es unterliegt keinem Zweifel, dass das Primäre, was den B. J. C. zusammenfügt, die Idee ist, die Idee des jüdischen Stolzes, die Idee des jüdischen Volkstums, der Wille, der grossen Vergangenheit eine würdige Gegenwart und eine glückliche Zukunft folgen zu sehen. Darum ist aber der persönliche Zusammenschluss, das, was man trocken das corporative Element nennt, nicht ein Teil des V. J, St.ertums, der in zweiter, d. h. untergeordneter Linie kommt. Wir — ich meine mich und viele Freunde — fassen die Zugehörigkeit zum V. J. St. so auf, dass wir in ihm eines der besten, vielleicht das beste Mittel sehen, um unsere jüdischen Ideale, die an Kraft und Tiefe irgend welchen andern nichts nachgeben, der Wirklichkeit zuzuführen. Wir sind der Meinung, dass die jungjüdische Bewegung den engen persönlichen Zusammenschluss der von ihrer Idee beseelten Vorkämpfer erfordert, und wir vermissen dieses Zusammengehörigkeitsgefühl; jeder, der in dieser Bewegung steht, muss wissen, dass er ein Kämpfer ist, und muss im Mitkämpfer den Bruder sehen, den er stützt und von dem er gestützt wird in jeder Hinsicht. Es kommt einem schon banal vor, ist aber doch gut, immer wieder auf das musterhafte Beispiel der Polen hinzuweisen. Wir sehen nun im V. J. St. gewissermassen eine Brutstätte für dieses enge Solidaritätsgefühl; hier sollen sich zu einem noch engeren, noch gefestigteren Kreise die zusammenschliessen, die zu den Führern des Volkes berufen sind. Wenn also auch die Idee, als Leitstern über dem Ganzen schwebt, so kommt zu ihrer praktischen Förderung zuerst die Ausbildung des geselligen, des freundschaftlichen persönlichen Verhältnisses. Die Studentencorporation ist ja hierfür besonders gut geeignet, weil sie der altgewohnten Tradition nach einen Freundschaftsbund bildet; weil mit ihr die Vorstellung: der Disziplin und der Erziehung verbunden ist; schliesslich weil sie auf dem Prinzip der Exklusivität beruht. Wer sich das klar macht, muss einsehen, dass die Corporation — wie sie sein soll — in der Tat eine hervorragende Stätte sein kann, um die späteren Führer zu züchten, den Kreis, der, selbst en£ geschlossen, das Verständnis für den Zusammenschluss in die Reihen der ganzen Bewegung trägt. Wer den V. J. St. nicht so puffasst, ist, meinen wir, kein V. J. St.er, oder, was dasselbe sagen will, wenn es nicht gelingt, dem V, J. St. diesem Ideale zuzuführen, dann schade der Aufwand von Begeisterung, den vieleihm entgegenbrachten.