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Der jüdische Student · 1908-04-17 · Heft 1 (17.4.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
5 (1908-1909)
Issue
Heft 1 (17.4.1908)
Date
1908-04-17
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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3 wieder energisch am Werke. Der Kampf um die Anerkennung der jüdischen Nationalität an den Hochschulen soll in ein entscheidendes Stadium treten; eine Deputation jüdischer Studenten urgierte nochmals bei den Rektoren der Technik und der Universität um die Erledigung der dringenden Frage. Die Rektoren versicherten nochmals ihre Sympathie für den Kampf der jüdischen Studentenschaft um ihr Recht. In den Kreisen der zionistischen akademischen Korporationen herrscht eine der „direkten Aktion" günstige Stimmung. Der Demonstrationsrummel vor der Universität im vorigen Jahre war ein ermunternder Anfang. Die Studentenschaft will auf diesem Wege fortschreiten, der gangbarer sei als der der Entsendung von Deputationen und Einbringung von parlamentarischen Interpellationen. Am 60. Jahrestag der Märzrevolution in Wien hat die zionistische Studentenschaft am Massengrab der Märzgefallenen einen Kranz mit blauweissen Schleifen und der Aufschrift: „Die zionistische Studentenschaft den Freiheitskämpfern von 1848" (in deutscher und hebräischer Sprache) niedergelegt und an seinem Grabe Adolf Fischhof, den liberalen Parlamentarier, der 1869 eine autonomistische Konstituierung Oesterreichs empfahl, gefeiert. — Die M. A. (v. 29. 1.) bringen in einem Brief aus Amerika das Referat einer interessanten „Rede, die dei; Präsident der berühmten Havard-Universität zu Boston, Eliot, in einem jüdischen Studentenverein gehalten hat. Schon dass der erste Vertreter einer so berühmten Universität es der Mühe für wert hält, an einen Verein jüdischer Studenten, der sich die Förderung der Kenntnis der Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Ideale in Kunst, Literatur und Religion zum Ziele gesetzt hat, eine Ansprache zu halten, und dies offenbar mit grossem Vergnügentut, dürfte nach europäischen Begriffen, zumal nach deutschen, eine ungewöhnliche Erscheinung sein. Aber auch was er sagte, ist in mehr als einer Beziehung für eine solche Persönlichkeit ungewöhnlich. Eliot erwähnte, dass das jüdische Volk nahezu 2000 Jahre unter der schrecklichsten Verfolgung gelitten habe und fast jeder Freiheit beraubt gewesen sei, mit Ausnahme der Freiheit zu denken und zu hoffen. Aber in Amerika hätten die Juden endlich volle Freiheit, physische wie intellektuelle, gefunden. An der Havard-Universität seien die jüdischen Studenten ganz gern gesehen. „Es herrscht," sagte er, „an dieser Universität nicht ein Atom Antisemitismus, wie man ihn heutzutage etwa an den meisten deutschen Universitäten finden kann. Einige der ausgezeichnetsten Mitglieder des Dozentenkollegiums sind Juden, entweder nach Abstammung oder nach ihrer Zugehörigkeit. Ich schätze sie hoch. Einige meiner besten Freunde sind Juden." — Zum Schluss erteilte Präsident Eliot den jüdischen Studenten den Rat, sich mehr dem Sport und den Uebungen im Freien zu widmen. Die Juden hätten Jahrhunderte hindurch keine Waffen tragen dürfen, und sie seien darum jetzt kein kriegerisches Volk,

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