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Der jüdische Student · 1908-03-17 · Heft 12 (17.3.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 12 (17.3.1908)
Date
1908-03-17
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Der jüdische Student. 317 Sakkai die Eigenart seiner Schüler schilderte, da sagte er nicht etwa: „Bei dem Einen ist das Gedächtnis vor Allem ausgebildet, bei dem Anderen die Selbsttätigkeit, sondern er nannte den Elieser eine verkalkte Zisterne, den Elasar aber einen sprudelnden Quell. Mit dem Buch muss dann die Praxis sich vereinigen. Mommsen hat einmal den österreichischen Reichsgerichtspräsidenten Unger den Mann genannt, der die Wissenschaft praktisch und die Praxis wissenschaftlich gemacht habe. Damit ist in wenigen Worten der richtige Weg bezeichnet. Aus Büchern kann man schliesslich Alles lernen; schwimmen und französisch sprechen und Jurisprudenz und Medizin. Aber wer nur aus dem grossen Bilguer Schachspielen gelernt hat, wird bei der ersten Partie vielleicht schon nach fünf Zügen matt gesetzt, und wer alle Regeln der französischen Grammatik kennt, kann vielleicht noch keinen Satz sprechen. Darum Hand in Hand mit dem Studium die Anwendung des Gelernten, viele Uebungen. Besuch von Gerichtssälen, Fabriken, Kliniken, überhaupt praktische Tätigkeit. Die Sprüche der Väter haben das rechte Wort dafür gefunden: „Wer mehr Gelehrsamkeit hat, als Praxis, ist wie ein Baum mif wenigen Wurzeln und vielen Zweigen; ein Windstoss kommt und wirft ihn um. Wer aber mehr Praxis hat als Wissen, ist wie ein Baum mit wenigen Zweigen und vielen Wurzeln. Alle Stürme können ^egen ihn losbrechen, er rührt sich doch nicht von der Stelle,'1 Zum Schluss soll noch ein unentbehrliches Hilfsmittel fürs Studium genannt werden, das Wiederholen. Der Lateiner sagt: repetitio est mater studiorum, das Hebräische aber hat gar für Lernen und Wiederholen das gleiche Wort (schono), Lernen gilt ihm für gleichbedeutend mit Wiederholen, und die Rabbinen meinen sogar: „wer seine Sache „nur4' hundert Mal wiederholt hat, kann sich mit dem nicht vergleichen, der sie hundertundeinmal wiederholt hat." Das mag ja übertrieben sein, aber soviel ist doch sicher, dass die ständige Einübung die Grundlage für allen Fortschritt ist. Wir können im Unterricht oft beobachten, wie die Schüler das, was vor vier Wochen durchgenommen wurde, völlig vergessen haben, als hätten sie nie etwas davon erfahren. Was sie aber im Laufe eines Jahres drei oder viermal hören, vergessen sie nicht mehr. „Der dreifache Faden reisst nicht so bald," haben unsere Alten mit einem Bibelwort (Kohelet 4, 12) gesagt. Bei der ersten Durchnahme wird eben jeder Gegenstand stets nur ganz im Allgemeinen erfasst, erst erneutes Betrachten lässt auch die Einzelheiten erkennen. So wissen wir auch von einer fremden Bibliothek, die wir nur einmal gesehen haben, noch nicht einmal, welche Bücher darin stehen, bei der eigenen aber finden wir jeden Band auf den ersten Griff im Dunkeln. Nur kleine Gebiete in Angriff nehmen, die aber gründlich bearbeiten, auf die Einzelheiten sorgsam achten, aber der Grundzüge dabei so wenig vergessen wie der grossen Zusammenhänge, alle Theorie in Gedanken und Tat zurückführen ins Leben, und keine Er-

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