Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1908)
- Date
- 1908-03-17
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Der jüdische Student. chen: die assimilatorischen und die nationalen Juden im Schlachtgewimmel, und noch dazu an einem Samstag! Schliesslich aber ist doch letzten Grundes dieses Scharmützel nur ein Teil des grossen Judenkampfes, den auch wir zu führen haben und den, soweit ihn die „Kadimah" aufgenommen und durchgefochten hat, M. T. Schnirer in seiner prachtvollen Festrede auf dem Jubiläumskommers der K. (Welt No: 6) geschildert und verherrlicht hat. B. K. Von der Praxis des Studiums. Von Dr. M. Eschelbacher. „In uns dringt die Wissenschaft so schwer ein, wie ein Pflock in die Wand," so hat vor bald 1700 Jahren Abaji, ein Lehrer des Talmud, geklagt, und er wird mit diesem Worte vielen Studenten aus dem Herzen gesprochen haben. Studieren ist schwer, und richtig studieren eine grosse Kunst, damals wie heute. Das können Alle die Vielen bezeugen, die durchs Examen fallen oder die trotz angestrengter Arbeit auf der Leiter der Gelehrsamkeit doch nur wenige Sprossen emporgestiegen sind. Aus dieser Notlage ist eine ganze Literatur erwachsen, und eine grosse Menge von Büchern, alle unter dem Titel: wie soll ich studieren? sucht gute Ratschläge zu geben. Da ist es ganz am Platze, wenn der jüdische Student auch einmal von den alten Lehrern des Talmud sich sagen lässt, was sie als den richtigen Weg des Studiums angesehen haben. Tannaiten und Amoräer sprechen viel von der Kunst des Studierens. Der Sohar,das wichtigste Werk der kabbalistischen Literatur sagt zwar: „Wenn der Handwerker den Mund aufmacht, redet er von seinem Handwerke", aber die Gelehrten machen es auch nicht anders, und jene Neigung des menschlichen Gemütes, die zu Unrecht als Fachsimpelei verschrien wird, hat sich nicht erst in unseren Tagen entwickelt. Darum ist es auch gar nicht möglich, alle die Ratschläge mitzuteilen, die die Männer der Mischna und der Gemara. der beiden Werke, die zusammen?den Talmud bilden, dem angehenden Gelehrten geben. Nur eine Auswahl kann darum im Folgenden geboten werden, aber der Zweck dieses Berichts ist mehr als erreicht, wenn von den zerstreuten Bemerkungen eine dem oder jenem den Weg weist. Das Studium hat seine Tücken, nicht allein wegen der Schwierigkeit des Stoffes, sondern auch wegen seiner Massenhaftigkeit. Der Jurist muss fürs erste Examen gegen 6000 Paragraphen kennen, der künftige Rabbiner, der Bibel, Talmud, Geschichte, Religionsphilosophie und noch eine Menge anderer Disziplinen als Student wenigstens in den Grundzügen kennen lernen soll, hat ein noch grösseres Pensum vor sich, und Philologen, Mediziner, Naturwissenschaftler haben schwerlich weniger zu bewältigen. Da gilt aber das Wort: qui trop embrasse, mal etreint, oder, wie der Talmud es ausgedrückt hat: Wenn Du zu viel anpacken willst, dann kannst Du gar nichts festhalten, wenn Du aber wenig anpackst, dann kannst