Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1908)
- Date
- 1908-03-17
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Der jüdische Student. 313 schulen wird ein Reglement über diese Prüfungen aufgestellt, das scharf gehandhabt wird. 5. Für die immatrikulierten schweizerischen Studenten werden für alle zahlreicher besuchten Vorlesungen, Laboratoriumskurse, Kliniken, Platzkarten ausgestellt, die den inländischen Hörern den Vorrang beim Besuch der Vorlesung usw. ermöglichen sollen. 6. Das Auskultantenwesen muss für Ausländer einheitlich geordnet werden; sie haben Aufenthaltsbewilligung, Zeugnisse über ihre Vorbildung, den Geburtsschein in der Kanzlei zu deponieren. Mit diesen durchgehenden Verschärfungen der Aufnahmebestimmungen und der Zulassungsprüfungen hofft man, die Zutrittserschleichungen völlig unmöglich zu machen. Diese gingen schon so weit, dass ein Nationalratsmitglied sich den Witz leisten konnte, ein Student sei auf Qrund seines — Beschneidungszeugnisses immatrikuliert worden. Wenn übrigens der Berner Korrespondent des B. T. in seinem aussergewöhniich einsichtsvollen und vorurteilslosen Berichte ebenfalls konstatiert, dass sich die russische Studentenschaft in der Schweiz der uneingeschränkten Abneigung der Bevölkerung erfreut und in der Tat Elemente unter sich hat, die durch ihre Haltung, ihre eine innere Unreife dokumentierenden Extravaganzen im Aeusseren die ernst strebenden russischen Studenten diskreditieren (vgl. IX. 228) so muss doch etwas Wahres daran sein---! So lächerlich es aber ist, wegen des Lausanner Falles von Polizeispitzeldiensten, die tatsächlich ein gewisser Naum Tannenbaum (Melammed) der russischen Regierung geleistet hat, die gesamte russische Studentenschaft moralisch verantwortlich zu machen — in Russland haben, wie es nicht abzuleugnen sein wird, die Juden, freilich aus nur allzu naheliegenden Gründen, an der revolutionären Bewegung einen erheblich stärkeren Anteil. Ob freilich diese Zustände durch so brutale Mittel wie die neuesten wahnwitzigen Hetzreden Purischkewitschs, eines Mitgliedes der zweiten Duma (J. R. No. 6) geändert oder gar geheilt werden können, ist um so zweifelhafter, als man ja weiss, welches Unheil solche Aufstachelungen gewöhnlich im Gefolge haben. — In Petersburg fand am 4. II. in der grossen Synagoge die feierliche Einweihung der „Akademie für die Wissenschaft des Judentums" statt (A. Z. No. 6; vgl. Heft XI, 285). Es wird interessant sein, von ihrer Organisation und ihrem Programm zu hören. In Wien kam es jüngst zwischen zionistischen und „deutschliberalen" Studenten zu einer solennen Schlägerei (Welt Nr. 9). Die Deutschliberalen (Fidelitas) sind natürlich ausschliesslich Juden und verweigern daher zur Rache dafür, dass die Deutschnationalen ihnen keine Satisfaktion geben, ihrerseits den Jüdischnationalen jede Genugtuung. So kann, meint die Welt sehr richtig, ihre kriegerische Tapferkeit und Unerschrockenheit nicht angezweifelt werden! Nun aber bot sich den Fideliten doch eine Gelegenheit zu einem Männerkampf, indem nämlich die „Makkabäer" sie bei irgend einem Anlass stellten und tätlich angriffen. Ein reizendes Bild-