Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1908)
- Date
- 1908-03-17
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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312 Der jüdische Student. denten duldet, so ist wohl auf der Grundlage des eben erwähnten Antrages erst recht an eine Einigung nicht zu denken. Ein detaillierter Bericht ist übrigens vom Strassburger Verein für der. J. St. angekündigt. — Auch im übrigen deutschen Blätterwald verspürt man von einem judenfreundlichen Windhauch sehr wenig. Auf dem Reichskommersdes V. D. St. wurde wieder wie alljährlich die Parole ausgegeben: los von dem kosmopolitischen, jüdisch-inter- und antinationalen seichten Materialismus (A. B. vom 1. IL); die Kartellzeitung, das Organ des Eisenacher Kar teils Akademisch - Theologischer Vereine, forderte unlängst für die A. T. V. V. das „nationale" Prinzip im Sinne der V. D. St.en, allerdings nicht ohne damit auch zu scharfem Widerstand zu reizen (vgl. M. A. vom 15. I.); der Akademische Bund „Ethos", der vor etwa drei Jahren zur „Regeneration" der deutschen Studentenschaft begründet wurde, und dessen erste „Tat" die war, dass er seine jüdischen Mitglieder ausschloss und sich auf den Antisemitismus festnagelte, dieser von den Behörden vielfach verhätschelte Bund" wächst trotz des maliciösen Lächelns der M. A. (15. I) langsam, aber stetig weiter, erfreut sich sogar der zu besonderem Ausdruck gebrachten Anerkennung seines jüngsten Ehrenmitgliedes, Wilhelm Raabe (T. R.); und wenn auch das Zeitungsprotokoll der Rede des Kultusministers im Ab geordneten hause zur Kultusdebatte hinsichtlich des heftig angegriffenen Passus: „Jedenfalls ist die Verwaltung sich bewusst, dass sie nicht nur die wissenschaftliche Ausbildung zu fördern, sondern auch den christlichen Charakter der Universitäten hochzuhalten hat" auf einem Missverständnis beruhte (der Satz bezog sich nur auf die Theologieprofessoren) und das B. T. Herrn Holle zu früh absägen wollte (20. u. 21. IL; Parh-Ausg. v. 14. IL) — der energische Verteidigungsartikel, mit dem die „Deutsche Tageszeitung" (20. IL) dem Minister Weihrauch opferte und der in dem Satz gipfelt: „Wenn der Kultusminister sich bemüht, diesen (allgemein christlichen) Charakter festzuhalten, so kann er der Zustimmung und des- Dankes der christlichen Volkskreise gewiss sein", — zeigt zur Genüge, dass Herr Holle ruhig die ihm irrtümlich untergeschobene Aeusserung hätte tun können, ohne in weitesten Kreisen irgendwie Anstoss zu erregen. — Wie das B. T. am 11. II. auf Grund eines „offenbar aus Universitätskreisen stammenden" Artikels des Berner Tageblatts mitteilt, sind in der Schweiz folgende Reformen zu den xAusländerbestimmungen in Vorschlag gebracht worden: 1. Kein Ausländer wird immatrikuliert, der nicht eine polizeiliche Aufenthaltsbewilligung der Ortspolizei vorweisen kann (in Bern bereits der Fall). 2. An die Ausländer werden behufs Immatrikulation wenigstens dieselben Anforderungen gestellt, wie in ihrem Heimatlande. 3. Wer keine oder ungenügende Ausweise produziert, hat eine Zulassungs- oder Ergänzungsprüfung zu bestehen. Für alle in Betracht kommenden schweizerischen Hoch-