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Der jüdische Student · 1908-03-17 · Heft 12 (17.3.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 12 (17.3.1908)
Date
1908-03-17
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der jüdische Student. 311 Antisemitismus auf Hochschulen folgendermassen darstellt: Seit dem letzten Sommer sind an der hiesigen Universität Bestrebungen im Gange, einen allgemeinen Ausschuss der gesamten Studentenschaft mit Einschluss der katholischen Verbindungen in die Wege zu leiten. Der vermittelnden Tätigkeit der akademischen Behörden gelang es auch, die erste Klippe zu umfahren, indem man verhinderte, dass den katholischen Verbindungen die bekannte Gewissensfrage wegen der „nationalen Gesinnung" offiziell gestellt wurde. So konnte man zu Anfang des Wintersemesters zur Bildung eines provisorischen Ausschusses gelangen, der bis zur Annahme eines Statuts die Geschäfte führen sollte. Anlässlich der Beratungen über die Zusammensetzung der Deputation, die einer Einladung des Prinzen August Wilhelm folgen sollte, "stellten sich jedoch unvorhergesehene Schwierigkeiten in den Weg. Als es sich bei der Gruppierung der nicht zu einem Verbände gehörenden Verbindungen um die Einrangierung des „Vereins jüdischer Studenten44 handelte, erklärte der Vertreter eines akademischen Gesangvereins, dass er zwar gegen eine aktive Beteiligung des jüdischen Vereins nichts einzuwenden habe, dass seine Korporation es aber ablehne, sich eventuell „von einem Juden vertreten zu lassen"; die gleiche Haltung nahmen ein nicht farbentragender Turnverein und ein wissenschaftlicher Verein ein. Der beim Rektor Beschwerde führende jüdische Verein versprach, im Hinblick auf den bevorstehenden Empfang durch den Prinzen bis nach Erledigung dieser Angelegenheit zu schweigen, Als dann Mitte Januar die Vorbereitungen zum gemeinschaftlichen Kaiserkommers der Studentenschaft getroffen wurden, ohne dass dem „Verein jüdischer Studenten44 eine Genugtuung gegeben worden wäre, erklärte er, an dem gerneinsamen Kommers nicht teilnehmen, sondern den Geburtstag des Kaisers für sich feiern zu wollen. Da dies auch geschah, so war die Aeusserung des Rektors beim gemeinsamen Kommers über die „soeben erzielte Einigkeit mit diesem Vorbehalt aufzunehmen. Die Sachlage ist nun die: Der Rektor hatte zu Anfang der Einigungsbestrebungen erklärt, er werde einen Gesamtaussehuss nur dann genehmigen, wenn er die Vertretung der ganzen Studentenschaft darstelle. Diese Voraussetzung ist durch die antisemitischen Tendenzen einer gewissen Gruppe nicht erfüllt. Es darf also wohl erwartet werden, dass der Rektor entweder die Bildung eines Gesamtausschusses versagt, oder aber erfolgreich sich bemüht, jene Gruppe von der ferneren Betätigung ihrer antisemitischen Gelüste wenigstens im Rahmen der Ausschussgeschäfte abzubringen. Inzwischen scheinen sich auch in den Verhandlungen mit den katholischen Korporationen neue Schwierigkeiten ergeben zu haben, denn gegenwärtig liegt dem Rektorat ein Antrag zur Entscheidung vor, der die Bildung eines. Gesamtausschusses auch dann fordert, wenn demselben sich 10 Korporationen nicht anschliessen sollten. Wenn wir es schon nicht annehmen, dass der Rektor den Ausschluss etwa 200 jüdischer Stu-

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