Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1908-03-17 · Heft 12 (17.3.1908) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 12 (17.3.1908)
Date
1908-03-17
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537641-3537653--0835-3538915
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

310 Der jüdische Student. den Studentenkreisen angehörten, die die Veranstaltung eigentlich anging. Vom K. C. waren vier Spreven da, die in dem Augenblick erschienen, als ein Diskussionsredner, unter starkem Beifall sagte: wer ein anständiger, nobler Jude ist, muss Zionist sein; vor dem Schluss der Versammlung verliessen sie das Lokal und bewiesen damit wiederum sehr deutlich, dass sie zu dea „verschiedenen auf national-jüdischem (zionistischem) Boden stehenden Korporationen . ... in ausgeprägtem Gegensatz stehen" und keineswegs separatistische Bestrebungen verfolgen (M. A. vom 22. I.) Mit welcher Befriedigung hat nicht dies Blatt, das vom Antisemitismus lebt (natürlich nicht finanziell gemeint!), von dem Waschlappenpassus in § 3 der Statuten des „K. C." Kenntnis genommen, der da lautet: „Die Verbindungen im K. C. nehmen keine Stellung zu irgend welchen politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums"! Eine ähnliche Erklärung in den Statuten haben wir bekanntlich auf dem 2. K. T. in weiser Ueberzeugtheit von ihrer Entbehrlichkeit fallen gelassen (vgl. Jahrgang 3, Heft I, S. 5). Obwohl wir doch damals bereits (1902) in der endgültigen Fassung des Tendenzparagraphen unser positiv-jüdisches Programm klar zum Ausdruck brachten, wird unsere Tendenz heute noch, nach sechs Jahren, gründlich missverstanden — doch wohl nicht mit einer gewissen Absicht? Schon der Königsberger Vereinsbericht erzählte uns von „empörend assimilatorischenReden" auf dem Festkommers zum 7. K. T., und nun können wiFs „im deutschen Reich" (Zeitschrift des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Februarheft) ausführlich lesen. Der Vertreter der Synagogengemeinde empfand es als „ein Tröpfchen Wermut in der Festfreude, . . . dass es heute noch notwendig sei, konfessionelle Vereine zu begründen." Der Redner für den Centraiverein mit dem langen Namen und dem kurzen Gedächtnis meinte, „die Gründe, die zur Schaffung beider Vereine geführt hätten, seien die gleichen: der Antisemitismus und der Abfall vom Judentum", und gab naiv seiner Hoffnung Ausdruck, „dass beide Vereine nicht ewig eine Notwendigkeit sein werden . . . ., dass man bald nicht mehr von deutschen Juden, sondern nur noch von jüdischen Deutschen sprechen werde, und zwar in keinem anderen Sinne, als von christlichen Deutschen. Er nehme an, dass die V. J. St.en dieselben Ideale hätten." Nun, wir haben Gott sei Dank noch nicht dieselben „Ideale", und jeder Fux im ersten Semester kann es dem Herrn vom C.-V. sagen, dass, machte man uns selbst im V. D. St. zu Chargierten oder im A. T. B. zu Ehrenmitgliedern, wir uns doch in eigenen Vereinen absonderten, und auch wüssten, warum! Wir sind nun einmal ungemütliche Eigenbrödler. Aber schliesslich sind wir ja auch von dieser messianischen Zeit des allgemeinen Akademikerfriedens noch recht weit entfernt. In Strassburg haben sich zu Anfang des Jahres Vorgänge "abgespielt, die die Frkf. Ztg. vom 20. II. (Nr. 51) unter der Spitzmarke:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.