Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 293 ein Mensurehrenrat geschaffen wurde, der vor Ueberbringung einer schweren Forderung stets steigen muss und dann zunächst die Höhe der zu überbringenden Forderung bestimmt, weiterhin aus seiner Miete das E. Q. besetzt. Noch fehlt, was Hantke nicht erwähnt, die rein physische Ausbildung der V. J. St.er. Warum soll A. H. Cohn, wenn er wieder einmal Zeit hat, nicht unsere Turnriegen leiten? Warum soll ein junger A. FL, der gut ficht und sekundiert, nicht seinen Stolz darein setzen, gute Sekundanten heranzubilden, woran wir tatsächlich keinen Ueberfluss haben? Was sonst noch Hantke erzählt, ist ja sehr schön, aber zum Teil selbstverständlich, zum Teil krasse Schönrednereil Selbstverständlich nenne ich die Forderung Hantkes, dass die Alten Herren im späteren Leben die V. J. St.er Ideale weiterbetätigen sollen. Ich habe noch nie von einem wunderlichen Heiligen gehört, der bei den A. H. A. H. des V. J. St. herumgewandert wäre und an dieselben das Verlangen gerichtet hätte, sie möchten in Zukunft die Ideale des Corpsstudententums verwirklichen. Schönrednerei heisse ich die Ausführungen Hantkes über unsere Teilnahme an der Politik. Hantke glaubt doch wohl selbst nicht, dass er durch seine Sätze jemanden von uns dazu bewegen wird, dem Bezirksverein W'aldeck 188 als tätiges Mitglied beizutreten. So verlockend ist augenblicklich die Teilnahme an der Tagespolitik für uns Juden nun gerade doch nicht, wenigstens nicht für Juden mit Rückgrat! Doch vielleicht versteht Hantke unter politischer Betätigung etwas anderes! Dann bitte ich um gefällige Aufklärung! — Postsc riptum. Als ich gerade diesen Aufsatz abgeschlossen hatte, fiel mir die Festnummer unserer Zeitschrift in die Hände. Und da heisst es, offenbar im Hinblick auf die Ausführungen Hantkes, in einem Bericht aus Königsberg: „Vorträge wurden bisher noch nicht gehalten, doch haben sich einige A. H. A. H. schon dazu bereit erklärt, wie ich überhaupt erwähnen möchte, dass unsere hiesigen A. H. A. H. einen wirklich anerkennenswerten Anteil am ganzen Vereinsleben nahmen. Und es zeigt sich da, dass die schon draussen im tätigen Leben Stehenden noch sehr gut Zeit und auch Interesse für manche Details des Korporationslebens übrig haben. Unsere Convente zeigen auch, dass wir weder bei der Beratung noch bei der Abstimmung die A. H. A. H. so leicht entbehren könnten/4 Was lese ich da, Ihr habt in Königsberg sogar Alte Herren, die für die Details des Korporationswesens Interesse übrig haben! Dass Euch das Mäuschen beisse! Euch muss aber bald Aufklärung über Rechte und Pflichten des A. H. durch A. H. Hantke werden, sonst werden ja in Königsberg bedenkliche Zustände einreissen. Also gute Besserung!