Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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294 Der jüdische Student. Ferialorganisationen. Von Alfred Schwarz. Schon lange wird bei uns die Frage ventiliert, wie wir die Arbeit, die in den Vereinen im Semester geleistet worden ist, in den Ferien weiterführen und fruchtbar machen können. Besonders war es unser Bdbr. Alfred Wolff aus Halle, der sich viel mit dieser Frage beschäftigte, und so stammen auch die meisten der folgenden Gedanken von ihm. Ich will hier nur die Hauptpunkte vortragen, obwohl man über das Thema sehr viel sagen kann. Mit der Bildung von Ferialverbindungen — es sollen ihnen natürlich nur V. J. St.er angehören — bezwecken wir vor allem Ausbreitung des V. J. St.er Gedankens und einen grösseren Zusammenhang der Bundesbrüder. Dass daneben auch das Interesse der A. H. A. H., die nicht am Orte eines V. J. St. wohnen, wachgerufen wird, haben die in dieser Richtung bisher unternommenen Versuche in Schlesien, Hamburg, Lissa bewiesen. Die A. H. A. H. werden dadurch enger an uns, d. h. meistens auch an die von uns geforderte Arbeit, geknüpft. Wir sehen ja hier in Königsberg am besten, was es heisst, wenn die A. H. A. H. mitarbeiten. Auch der B. J. C.-Gedanke, das Gefühl, einem grossen, umfassenden Bunde anzugehören, kann durch das Zusammenarbeiten von Bundesbrüdern, die aus den verschiedenen Vereinen stammen, nur gestärkt werden. Zu manchen Zeiten ist dies ganz gut; man würde sich viele Reden auf dem K. T. sparen können. Doch das nur nebenbei. Aus dem Vorhergehenden ergibt sich wohl von selbst, wie die Ferialverbindungen arbeiten sollen. Vor allem müssen sie darauf sehen, dass die Bundesbrüder möglichst oft zusammen kommen. Wöchentliche oder (in grösseren Bezirken) monatliche Zusammenkünfte, Kneipabende mit oder ohne Vortrag, gemeinsame Ausflüge usw. werden zum Ziele führen. Daneben wird auch die Keilarbeit nicht vergessen werden dürfen. Man wird grössere Kneipen — mit Tendenzreden — veranstalten müssen, zu ihnen Keilfüxe (Pennäler) einladen, d. h. all das tun, was wir für unsere Antrittskneipen vorbereiten, mit all der Mache, die nun einmal nötig ist. Später wird man die Keilfüxe auch zu den kleineren Kneipen einladen. Die Organisation muss natürlich nach Provinzen resp. Bezirken eingeteilt werden. Am Ende jedes Semesters werden vom Präsidium die einzelnen Bundesbrüder der in Aussicht genommenen Ferialverbindung zugewiesen. Die F. V. wäre natürlich in der ersten Zeit etwas Relatives, nicht von vornherein Bestimmbares, das ja doch von der Zahl und den Umständen abhängt. Mit der Zeit werden sich eine Anzahl von Städten, in denen eine grössere Reihe V. J. St.er wohnt, zu Bezirks - Vororten ausgestalten können, wie z. B. heute schon Lissa. Die Leitung übernehmen drei Bundesbrüder, unter denen, wenn irgend möglich, sich ein A. H. befinden soll. Dem Präsidium wird es obliegen, sich über die Tätigkeit jeder einzelnen F. V. zu informieren, Anregungen in Empfang zu nehmen