Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 289 und seinen Mitgliedern als vollkommen Fremde gegenüberzustehen. Diese Sätze lesen sich ganz schön — und trotzdem ist die Argumentation Hantkes nicht allein'recht wenig gründlich, der Bedeutung der Materie nicht entsprechend, sondern direkt falsch. Wären die Folgerungen Hantkes in der behaupteten Allgemeinheit richtig, so müssten die A. H. A. H. der übrigen B. J. C.-Vereine in der Mehrzahl ebenfalls das Interesse am Vereine und den Zusammenhang mit demselben verlieren, dann müssten auch die Philister der übrigen akademischen Vereinigungen, wie diese auch heissen mögen, ähnlich schlecht zu ihren Korporationen stehen, aus denen sie hervorgegangen sind. Sehen wir aber das durchweg gute, zum Teil sogar vorbildliche Verhältnis zwischen der Altherrenschaft (selbstredend kommt hierfür in erster Linie die ortsanwesende in Betracht) und dem Vereine sowohl wie dessen Mitgliedern in den übrigen B. J. C.-Vereinen, die schon auf eine gewisse Zahl von A. H. A. Ff. zurückblicken können, schauen wir hinüber zu dem vielgeschmähten K. C, um nicht zu reden von der Einheit, die Altherrenschaft und Verein in der Mehrzahl der nichtjüdischen Korporationen bildet (ich habe die Corps hierbei gar nicht einmal im Auge, sondern gerade die übrigen grösseren und kleineren Verbände, Kartelle und Einzelvereine), so überkommt uns ein Gefühl der Beschämung. Wir müssen uns fragen, ist denn unser Programm, auf das wir uns so viei einbilden, so oberflächlich, stellt es denn gar keine Anforderungen an die Alten Herren, dass es gar nicht möglich sein sollte, ein für beide Teile, den Verein und die Altherrenschaft, gedeihliches Zusammenarbeiten herbeizuführen? Die Gründe für das in Berlin bestehende Missverhältnis müssen eben wo anders liegen! Die richtige Antwort ist folgende: D e n A. H. A. H. d e r e r s t e n Jahre des Berliner Vereines hat die Erziehung zur Korporation, wenigstens der grossen Mehrzahl, gemangelt! Hier liegt, wie man zu sagen pflegt, der Hase im Pfeffer! Liest man gerade die Conventsbücher, welche Hantke zu Beginn seines Aufsatzes erwähnt, oder hat man, wie ich, Gelegenheit gehabt, von einer fremden Universität aus, die Gründung des V. J. St.-Berlin und seine ersten Lebensjahre mit Interesse zu verfolgen, so wird man unweigerlich meine Worte unterschreiben. In diesem Zusammenhang kann und will ich keine Geschichte des 1. B. J. C.-Vereines schreiben, das überlasse ich Berufeneren! Nur soviel will ich sagen, unter den Gründern sowohl wie unter den Mitgliedern der ersten Jahre waren keine 5, vielleicht keine 3 wirklichen Korporationsstudenten. Bekanntlich wollten die Gründer ja gar keine Korporation, sondern eine Vereinigung jüdischer Studenten ohne jeden Korporationscharakter. Erst in der Aera des V. J. St.-Berlin, die inauguriert wurde von Zwirn, die daher ein zukünftiger Geschichtsschreiber des Vereins die Zwirnsche Vereinsaera nennen wird, beginnt in merklichen Symptomen die Wandlung, ich nenne es die Reifung des Vere:nes zur Korporation. Dieser Werdungsprozess ist ausserordent-