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Der jüdische Student · 1908-02-01 · Heft 11 (Februar 1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 11 (Februar 1908)
Date
1908-02-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Der jüdische Student. 285 heute der akademischen Verbindung K a d i m a h, die vor nunmehr fünfzig Semestern im Gefühl der Unwürdigkeit der jüdischen Verhältnisse in Wien den Kampf gegen antisemitische Dreistigkeiten und Herrschaftsgelüste, und vor allem für die Ehre des jüdischen Volkes und seine Rechte eröffnete. Wir wünschen ihr in diesen Tagen, da sie ihr 25jähriges Stiftungsfest gefeiert hat, für ihre jüdische Arbeit herzlich: vivat, crescat, floreat! In Russland verschlechtern sich die Verhältnisse der jüdischen Akademiker weiter im nachgerade gewohnten Masse. „Die jüdische Volksuniversität W a r s c h a u , die für den kulturellen Fortschritt der jüdischen Volksmassen sehr viel getan, . . . war gezwungen, die Kurse einzustellen", nachdem sie eine Reihe schikanöser Polizeiverordnungen hatte über sich ergehen lassen müssen (J. R. No. l); „die Diplome der weiblichen höheren Lehranstalten sollen nicht mehr das unbeschränkte Wohnrecht verleihen; d. h. die Jüdinnen, die solche Diplome meist nach harter Arbeit und unter grossen Aufwendungen erwarben, dürfen ebenfalls nur innerhalb des Ansiedelungsrayons wohnen" (.1. R. 51/52); ebenso wie die Hochschulkurse (Bestushewski) künftig nicht mehr als adäquat angesehen werden können, und „dass daher Personen jüdischen Glaubens, welche sie absolvieren, nicht das Wohnrecht ausserhalb des jüdischen Ansiedelungsrayons gemessen" (J. R. No. 2). Demgegenüber ist es mit Freuden zu begrüssen, dass, wie der O. A. (vom 29. 12.) berichtet, „Baron David Ginsburg (der ältere Sohn des Baron Honice Ginsbure), welcher Mitglied des Gelehrtenkomites im Bildungsministerium ist und sowohl die althebräische wie arabische Literatur genau kennt, nun die Erlaubnis bekommen hat, in P e t e r s b u r g eine Hochschule für Wissenschaft des Judentums zu begründen, die nur von Personen mit Gvmnasialbiklun^ besucht werden darf. Die Kosten dieser Schule werden, nach der Meinung einiger aus dem Fonds, der anlässlich des 79jährigen Geburtstages des alten Baron Ginsburg gesammelt wurde (ungefähr 130 000 Ruh.), nach der Meinung anderer von der lea bestritten werden. Jedenfalls scheint es, dass die Anstalt materiell gesichert ist." In A m e r i k a scheint man sich darauf zu besinnen, dass man eigentlich bei den Einwanderuugsbedingungen ruhig die Schraube stärker anziehen könnte. Jedenfalls wird es interessant sein zu erfahren, ob der Senat des Kongresses der Vereinigten Staat e n der Vorlage eines Senators zustimmen wird, der für die „russischen" Studenten ein russisches Maturitätszeugnis fordert, auf Grund dessen sie in deutschen Hochschulen aufgenommen werden würden. Richtig bemerkt dazu die J. R. (No. 3): „Wären die Juden in Russland erst so weit, solche Zeugnisse erwerben bezw. erhalten zu können, wie diejenigen, die man in Westeuropa und in Amerika glaubt ohne weiteres fordern zu können, dann brauchten sie weder die deutschen Universitäten noch die amerikanischen Schwitzhöllen aufzusuchen/' Besonders scheinen auch in der Hochschule von Chicago Vorurteile gegen die Juden vorzuherrschen2

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