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Der jüdische Student · 1908-02-01 · Heft 11 (Februar 1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 11 (Februar 1908)
Date
1908-02-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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284 Der~jüdische Student. dürfen: stud. phil. Levy (Kartenverkauf etc.), stud. ehem. Salomon (Leitung des Abends), stud. jur. Loeser (Festrede), ferner Weil, Bloch und andere die Menge. Die Mehrzahl der Besucher bildeten Juden! Vielleicht merkt man sich die Herren; man v/eiss nicht, wo man ihnen noch einmal begegnet — womöglich gar im Vorstand einer Synagogengemeinde o. ä.! Zum Kapitel des „übermächtigen Einflusses der Juden auf die Universitäten" in Oesterreich, wie Graf Thun den scheusslichen Begriff der Verjudung zart umschreibt — im übrigen vgl. lieft X 250 — bringt die J. R. (No. 51/52) noch einige zahlenmässige Angaben, deren Resultat ist, dass z. B. in Wien von 86 ordentlichen Professoren 78 Christen und 8 Juden, also 90,7% geborene Christen n i c h t jüdischer Abstammung und 9,3% Juden sind. Unter den ausserordentlichen Professoren jedoch befinden sich allerdings, wie Prof. Ehrlich von der Czernowitzer Universität in einer Zuschritt an die „Neue Freie Presse" ausführt (vgl. Q. A. v. 15. 12.), ziemlich viele Juden und noch mehr Professoren jüdischer Abstammung (die aber im Sinne des ganzen akademischen Antisemitismus glattweg zu den Juden zu zählen sind). Da aber diese a. o. Professoren nicht auf ordentliche Lehrstühle berufen werden, seien sie, trotz ihrer numerischen Stärke, entschieden zurückgesetzt. „Im ganzen wurden . . in den letzten zehn Jahren für ordentliche Lehrstühle acht Professoren ernannt, die selbst oder deren Vorfahren je jüdischen Glaubens gewesen wären; davon sind drei bereits gestorben, so dass es sich nur noch um fünf handeln kann. Dem wirklichen Sachverhalt in diesem Augenblick entspricht das Rild jedoch nicht mehr. Es hat sich in den letzten Jahren vieles geändert. Von den erwähnten Ernennungen fallen sehr wenige in die letzte Zeit, etwa seit 1900, und auch diese beruhen zum Teil auf früheren Vorschlägen, so die drei Ernennungen an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät in Wien und Prag. Jetzt wären sie wohl nicht mehr möglich. Der jetzige Zustand ist wohl der, dass alle rechts- und staatswissenschaftlichen, sowie alle medizinischen Fakultäten an den deutschen Universitäten Oesterreichs (vielleicht mit Ausnahme der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät in Czernowitz, wo die Verhältnisse nicht ganz klar liegen) stillschweigend, die Universität Graz bereits seit vielen Jahren und auch Innsbruck seit mehreren Jahren ganz offen sich bei ihren Vorschlägen zu einem antisemitischen Programm bekennen. Zumal in Graz sollen bei jedem, der in einen Vorschlag aufgenommen werden soll, förmliche Ahnenproben aufgestellt werden." So sind die Juden Schutzjuden der Deutschen, der Klerikalen, der Regierung, und es geht ihnen, wie diese es wollen. Bald gefallen sie sich auch in dieser Rolle, und aus den Assimilationsspielereien heraus, die sie eine Zeitlang vielleicht nur mimten, wachsen sie sich schliesslich zu Schauspielern aus, denen weniger das Leben ihre Kunst als ihre Kunst ein Leben ist. Dankbar gedenken wir

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