Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 283 „die in Darmstadt eingeführte Ausnahmeregel vermieden worden ist, nach der nicht das Bestehen des Eintrittsexamens, sondern der tatsächliche Eintritt in die russische technische Hochschule für die Zulassung russischer Bewerber zum Studium und zum Diplomexamen gefordert wird. Die verwaltungstechnischen und politischen Gesichtspunkte, die in Russland zur Abweisung zahlreicher Kandidaten nach erfolgreich bestandener Konkurrenzprüfung führen, können vom akademischen Standpunkt keine Berücksichtigung erwarten, wie sie auch den liberalen Anschauungen nicht widersprechen, die für die Ordnung der Verhältnisse im Lande Baden seit langem in Geltung sind." — Im Februar feiert der A. J. G. V. in Berlin das Fest seines 25jährigen Bestehens. Wir haben gewiss keine Veranlassung, davon weiter Notiz zu nehmen; interessant aber muss uns eine Tendenzdebatte sein, die vor einigen Wochen den Konvent jenes Vereines beschäftigte. Man wollte g^r.n wissen, was man eigentlich für ein Verein sei. Tatsächlich wurden schon seit langem und so auch an jenem Abend wieder energische Stimmen laut, die eine Betätigung des Vereins in studentisch-politischer Richtung nach innen und aussen in unserer Art verlangen. Wie ich höre, sind sie diesmal noch nicht durchgedrungen: aber schon das Erwachen dieser Tendenzen bedeutet einen Erfolg für uns. Wie lange noch, und der A. J. G. V. gibt den pseudowissenschaftlichen Charakter seines Flitterdaseins gänzlich auf und beginnt, jüdische Arbeit zu leisten. — -Der „Stammtisch Jüdischer Akademiker" in Giessen (X247) scheint sogar noch harmloser zu sein, als ich zunächst glaubte. Wie ich erfahre, machen die Herren kein Hehl daraus, dass ihnen am Verkehr in jüdischen Familien hauptsächlich liegt, und das Judentum gewinnt dabei nicht viel. Ausserdem erhalte ich noch in Ergänzung hierzu von einem Strassburger Bdr. folgende Zuschrift, für die ich ihm natürlich die Verantwortlichkeit überlassen muss: „Einige K. C.er wollten zu Keilzwecken einen K. C.-Stammtisch eröffnen. Um dies zu verhindern, setzten sich einzelne ortsanwesende anderen Korporationen angehörige Studenten mit diesen in Verbindung zwecks Gründung eines interkorporativen Stammtischs. Dies gelang, und der im übrigen inoffiziellen Vereinigung gehören an: 3 K- C.er, 2 Veden (Würzburg), 1 V. J. St.er (Salomon, München), 1 V. J. A.er und ein F. W. V.er. Keilen ist verboten und, wie ich glaube, ja auch in G. aussichtslos. Die Leute stehen alle in Examenssemestern.'4 Aus derselben Quelle erfahre ich einige interessante Details über die „Freie Studentenschaft" in Strassburg, Vorgänge, die uns zwar nicht weiter neu vorkommen dürften und die man doch immer wieder brandmarken muss. Die Freie Studentenschaft veranstaltete eine Weihnachtsfeier, bei der eine Rede gehalten und „Heilige Nacht" gesungen wurde. Das mag an sich sehr löblich sein; ich glaube aber die Namen der Mitwirkenden nicht verschweigen zu