Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Der jüdische Student. Lebens/' In diesem Sinne sei jeder Versuch einer Verchristlichung oder Rekatholisierung der Universitäten energisch abzuweisen; auch unterschätze eine derartige christlich-soziale Rassenpolitik, die mit konfessionellen Hochschulen auch einen vernichtenden Schlag gegen die „internationale Kapitalistenbande" und auf die „Herde der Revolution, der Umsturzideen, der Vaterlands- und Religionslosigkeit" auszuführen hoffe, gänzlich die ideelle und materielle Kraft des Judentums; vielmehr sei dies nicht „so untüchtig und ungeschickt, dass diesem Druck nicht eine gewaltige Anspannung alier Kräfte zu entschiedenem Gegendruck folgen würde! Statt simultanen — konfessionelle Hochschulen oder Universitäten oder neben christlichen eine jüdische Universität? Vielleicht könnten wir dann erleben, dass Christen die jüdische Universität aufsuchen — nur um die verlorene Freiheit wiederzufinden." Da nur der Wettkampf die Waffen des Geistes hart und scharf mache und also nur die volle Freiheit „gemeinsamer Arbeit der Klassen und der Rassen" die Garantien für die Gesundung des politischen Gesamtorganismus des Volkes gewährt, müsse man dem Judentum, das ein „grosser und wichtiger kultureller Faktor war, ist und bleibt", zur Erfüllung seiner hohen Aufgaben unbeschränkte Lehr- und Lernfreiheit und absolute Freiheit ungehinderter Ausbreitung im gesamten akademischen Leben lassen. Natürlich steht Schweninger in massgebenden Kreisen mit diesen mehr als liberalen Ansichten und Forderungen ziemlich allein da; offiziell betreibt man, soweit es irgend möglich ist, die von ihm verworfene Politik sehr kräftig. So folgt jetzt in der Auslände rf rage dem Vorbilde Darmstadts (vgl. VII 378), Göthens (IX 226), zum Teil Leipzigs (VII 178 — X 248 —) auch Baden. Die T. R. meldete am 14. 12.: In der badischen Budgetkommission gab die Regierung die Erklärung ab, dass für die Zulassung ausländischer Studenten an den badi'-chen Hochschulen neue Grundsätze aufgestellt worden seien. Es wird der Nachweis derjenigen Kenntnisse verlangt, welche die Studierenden zum Besuche der Hochschulen ihrer Heimat berechtigen, infolge der strengeren Massregeln war ein wenn auch nur mässiger Rückgang der russischen Studenten an der Technischen Hochschule Karlsruhe zu verzeichnen. Auch für die weiblichen Studenten wurden strengere Bedingungen eingeführt. Ausländer müssen jetzt 50 M. Beitrag für das Semester zahlen. Man muss sich nur wundern, dass die A. D. B.1) (vom Jan. 08) „diese berechtigte Massregel gegen die Ausländerüberflutung" zur baldigen Nachahmung in den übrigen Bundesstaaten empfehlenobwohl doch in Baden, wie die D. H. (Dezember 07) bemerkt, ') Ä.. 1). B.- Zeitschrift-Verbandsblatt d. im Allgemeinen Deutschen Burschenbunde vereinigten Burschenschaften.