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Der jüdische Student · 1908-02-01 · Heft 11 (Februar 1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 11 (Februar 1908)
Date
1908-02-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Der jüdische Student. 281 Z. B. können sämtliche Nichtinkorporierte, d. h. gut die Hälfte aller Studenten, nur zwei Vertreter entsenden, und auch nur, wenn mindestens fünfzig Stimmen für sie abgegeben sind; diese Vertreter haben nur sehr eingeschränkte Rechte, wie denn überhaupt die Willkür des Ausschusses gegenüber neugegründeten Korporationen, in der Behandlung von unangenehmen Anträgen, in der Festsetzung der Termine der Sitzungen u. a. unbegrenzt zu sein scheint. Zweifellos liegt in einer so tendenziösen Handhabung der Geschäfte jene „Gefährdung des akademischen Friedens und der akademischen Disziplin4', die der Universitätsbehörde die Befugnis gibt, ein vorübergehendes oder dauerndes Verbot zu erlassen. Die Suspendierung blieb denn auch nicht aus, nur dass sie versehentlich nicht den konservativ-antisemitischen Stuclentenau;-schuss traf und die Geschäftigkeit dieser modernen Dunkelmänner lahmlegte, sondern --- die freie Studentenschaft, die, eine Organisation der Nichtinkorporierten, einen offenen Kampf mit J.en „Nationalen" eingeleitet hatte. Nun braucht man ganz gewiss für die „freien Studentenschaften'4 allerorts, wenn sie sich auch charakteristischer Weise der Gunst der „Abwehrvereine44 erfreuen (vergl. z. B. M. A. vom 18. Dezbr.), nicht viel übrig haben — und die freistudentische Bewegung in Marburg wird in anderer Beziehung sicherlich dieselben Vorwürfe von unserer Seite verdienen wie verschiedene aridere (vgl. weiter unten!) — und man wird trotzdem zugeben müssen, dass in der dortigen Universitätsverfassung hinsichtlich der übertriebenen Aengstlichkeit auf der einen Seite und der skrupellosen Tollerierung auf der anderen manches faul und veraltet ist. Die sensationelle Ueberschrift der „Kreuzztg.4' stimmte schon: „Parteiunwesen an einer preussischen Universität", P r e u s s i s c h e n — — —! Dass man auf dem Standpunkt einer vernünftigen „christlichsozialen Rassenpolitik" stehen und trotzdem in Beurteilung jüdischer Dinge eine anständige Gesinnung und besonnene und sogar durch und durch sympathische Ansichten haben kann, hat der bekannte Arzt E. Schweninger in seinem Antwortschreiben auf eine Enquete der „Neuen Freien Presse4' in Wien dargetan (vgl. G. A. vom 29. 12.). Alle politischen Rezepte seien wertvoll, führt er aus, „mit denen das politische Leben der Völker in wechselnder Art -und wachsender Zahl zu behandeln versucht wird, in der zweifellos allenthalben wohlgemeinten Absicht, auf den politischen Gesamtorganismus in vorgedachtem Sinne heilsam einzuwirken, auszuscheiden, abzustossen — auf- und auszubauen. Von einer Rassenpolitik kann ich mir das ohne weiteres denken, wenn sie im Sinne einer kräftigen Entwicklung zu den höchsten Zielen des Lebens, einer reichen und vertieften Kultur, getrieben wird. Nur müssen wir dann auch billig denkend genug sein, um das Recht zu solcher Politik jeder Rasse zuzugestehen — und dann haben wir den Rassenkampf, der in freiestem Wettbewerb um die Güter des Lebens naturnotwendig zum Siege des Starken über den Schwachen führen muss, auf dem Gebiete geistigen wie materiellen

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