Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Der jüdische Student. jüdische Privatdozenten und jüdische Professoren in grosser Zahl ernannt. Neuerlich meldete am 18. Oktober d. J. die „Wiener Zeitung" die Ernennung einer Reihe jüdischer Privatdozenten zu ausserordentlichen Professoren an der deutschen Universität in Prag. Wenn in dieser Weise scheinbar absichtlich für Prag bei den Ernennungen fortwährend Juden berücksichtigt, Deutsche aber zurückgesetzt werden, so ist die Zeit nicht mehr ferne, wo man nicht mehr von einer deutschen, sondern von einer jüdischen Universität in Prag wird sprechen müssen. Der Interpellant fragt, ob der Unterrichtsminister der Ernennung jüdischer Lehrkräfte für deutsche Hochschulen Einhalt zu tun gedenkt und ob er den Standpunkt anerkennen will, dass angesichts der Tatsache, dass sich die Juden — und zwar mit Recht — selbst als eine eigene Nation erklären, für deutsche Hochschulen nur deutsche, nicht aber jüdische Lehrkräfte zu ernennen sind. Und das deutsche Volksblatt brachte am 3. Dez. einen Aufsatz über „Das Judentum an unseren Hochschulen", der sogar mit Zahlenmaterial arbeitete. (M. A. v. 11. Dez.) Wie dies aber beschaffen war, sagte der Abg. Prof. Redlich den Christlichsozialen ziemlich deutlich ins Gesicht. Er zeigte, dass man, will man mit Zahlen operieren, auch etwas von ihnen verstehen muss: „Nach seinen Ausführungen sind an der juristischen Fakultät der Wiener Universität 15 Ordinarii, von denen 11 im Sinne der Rassentheorie makellos dastehen; 2 sind getaufte Juden, 2 Juden. Von den 6 Extraordinarii sind 5 nichtgetaufte Juden, einer ist ein getaufter Jude. Von den 31 Privatdozenten sind 17 Arier. Dass die Juden an dieser Fakultät nicht vorrücken, bewies der Redner mit einem schlagenden Beispiele. Die philosophische Fakultät beherbergt 48 Professoren, von denen nur 3 Nichtarier sind; von den dreien sind zwei getauft. „Ist das die Judenherrschaft?" rief Herr Professor Redlich mit Recht aus. Von den ausserordentlichen Professoren an dieser Fakultät sind 17 Arier, vier Nichtarier. An der medizinischen Fakultät wirken 23 Ordinarii, darunter zwei Juden. Von den 40 Extraordinarien sind 13 Nichtarier. Allerdings zählen von 156 Privatdozenten blos 66 zu den Ariern; allein die jüdischen Dozenten werden nur dann Professoren, wenn, wie Professor Redlich meinte, „keine arischen Privatdozenten auf Lager sind". „Wenn Sie eine Eroberung der Universität zu dem Zwecke wünschen, um die Verjudung hintanzuhalten", — rief er den Christlichsozialen zu — „so brauchen Sie sich nicht mehr zu bemühen; das geschieht Schritt für Schritt seit einer Reihe von Jahren". Die Anerkenn ungderjüdischenNationalität, die der Abgeordnete von Stransky den Juden bereitwilligst gezollt hat — freilich nur, um ihnen daraus einen Strick zu drehen, äer sie aber kaum erdrosseln wird — macht auch bei massgebenderen Faktoren