Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 249 etwaiges scharfes Vorgehen gegen die Ausländer nur beeinträchtigt werden könnten. Als ob wirklich die russische Regierung an engherzigen Massnahmen Leipzigs den jüdischen Hochschülern gegenüber — denn um diese handelt es sich ja! — ernsthaft Anstoss nehmen und die kommerziellen Verbindungen mit der internationalen Handelsstadt lösen würde! Die Alisländerbestimmungen, die in Leipzig tatsächlich schon bestehen, habe ich übrigens bereits in Heft 7 (S. 178 f.) mitgeteilt. Aus der Statistik, die Dr. H. G. Heymann in seinem Bericht über „Die Lage der Juden in Deutschland44 dem Bureau des VIII. Zionistenkongresses vorgelegt hat, interessieren uns in erster Reihe die Aufstellungen über die BeteiligungderJudenam höheren Studium, die wir der Veröffentlichung in der J. R. vom 13. Dez. entnehmen: In Berlin befanden sich im Winterhalbjahr 1904 60,90 Proz. der Schüler und 55,08 Proz. der Schülerinnen in höheren Schulen, in Preussen besuchten Volksschulen 92,71 Proz. der christlichen, 43,71 Proz. der jüdischen Kinder. Im Jahre 1902 waren von auf preussischen Universitäten studierenden Reichsinländern Juden in der juristischen Fakultät . . 8,91 % in der medizinischen Fakultät . 15,04 % in der philosophischen Fakultät 5,77 % Bedenkt man, dass im Jahre 1905 die Juden mit einer Zahl von 409 501 Seelen in Preussen 1,10 Proz. der Qesamtbevöikerung oetrugen (in Deutschland mit 607 862 Personen 1,00 Proz. der Gesamtbevölkerung), so wird man zugeben, dass, zumal auch bei der starken Zunahme der freien Berufsarten, „die materielle Lage der Juden in Deutschland eine ganz ausgezeichnete ist.44 Trotz der verhältnismässig starken Beteiligung der Juden am akademischen Leben wird es aber kaum einen Antisemiten bei uns einfallen, von einer VerjudungderUniversitätenzti faseln. In O e s t e r r e i c h tut man es, und absolut nicht mit mehr Berechtigung. Der Abgeordnete von Stransky hat im Abgeordnetenhaus (ungefähr in den Tagen der letzten „Kulturdebatte44 im Reichsrat) eine Interpellation in folgendem Sinne eingebracht (Ky. vom 5. Nov.): „In zahlreichen Interpellationen und Reden der Abgeordneten in- und ausserhalb des Abgeordnetenhauses wurde wiederholt auf die immer ärger werdende Verjudung der österreichischen Hochschulen hingewiesen. Trotzdem die überwiegende Mehrheit aller Völker, vor allem aber des deutschen Volkes, in Oesterreich die Gefährlichkeit des Judentums auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens längst erkannt hat, trotzdem sich die Mehrheit im Abgeordnetenhause und in den meisten Landtagen zum Antisemitismus bekennt, trotzdem die überwiegende Mehrheit der Studentenschaft antisemitisch gesinnt ist, werden immer wieder fast in provokatorischer Weise