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Der jüdische Student · 1908-01-01 · Heft 10 (Januar 1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 10 (Januar 1908)
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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246 Der jüdische Student. das heitere Satyrspiel nicht: Die N. P. stellt ein positives Arbeitsprogramm auf: „Weiterer methodischer Ausbau der Bibliothek und des Zeitungsu. Zeitschriftenmaterials; Schaffung einer Musikalien- und einer Kunstblätterbibliothek; Verleihung von Landkarten zu Ausflugzwecken; Auslegung ausgewählter neuester Literatur, insbesondere der Broschürenliteratur zu Tagesfragen; Ermässigung des Eintrittsgeldes für die Kgk Theater und Erleichterung der Billetbestellung u. s. f. Des weiteren: Verbesserung der Lüftung durch Exhaustoren; Schaffung von Waschgelegenheiten; Uebergang zu reflektiertem elektrischen Bogenlicht; Aufstellung von Automaten zum Verkauf von Postwertzeichen und Schreibutensilien usw." Reizend, nicht wahr? — Der Wolf im Schafspelz?? Vielleicht wirklich ein — Schaf! Ich habe weder Platz noch Lust, die sämtlichen Pamphlete der verschiedenen Parteien hier zu veröffentlichen, so interessant sie auch zur Geschichte und Charakteristik der Paquinadenlitteratur sein mögen. Man muss es dem Flugblatt der Vereinigung jüdischer Korporationen lassen, dass es den* ruhigsten und sachlichsten Ton getroffen hat (obwohl es in der Güte des Papiers unvorteilhaft von den andern Blättern absticht). Es hat folgenden Text: Jüdische Kommilitonen! Wiederum richten wir die Aufforderung an Euch, in dem Kampfe um die akademische Lesehalle der Vereinigung jüdischer Korporationen Eure Stimme zu geben. Seit Jahren sucht die nationale Partei die Wahlen zum Direktorium der A. L. H. zur Förderung ihrer chauvinistischantisemitischen Tendenzen zu benutzen. Seit Jahren verfechten wir die Meinung, dass es dem gegenüber selbstverständliche Pflicht jedes jüdischen Studenten ist, mit offenem Visier für die eigene Sache einzutreten. Deshalb haben sich alle jüdischen Korporationen Berlins, ohne Rücksicht auf die Verschiedenartigkeit ihrer Tendenzen in innerjüdischen Angelegenheiten, zur Vereinigung jüdischer Korporationen zusammengeschlossen. Jüdische Kommilitonen! Auch wir sind der Ansicht dass die Verwaltung der A. L. H. vollkommen unparteiisch sein muss. Solange aber das Direktorium der Lesehalle als Vertretung der Berliner Studentenschaft angesehen wird, fordern wir an dieser Vertretung einen Anteil, wie er unserer Zahl entspricht. Wir wollen nicht unter dem Deckmantel sogenannter Unparteilichkeit bestehende Gegensätze vertuschen, sondern geschlossen zusammenstehen, wie unsere Ehre und Würde es erfordert.

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