Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Der jüdische Student. jener Zeit ein Juda Maccabi erstanden ist und unserer nicht? Nein, kein Unterschied! Denn auch uns ist ein Juda Maccabi erstanden. Auch wir hatten einen Mann, der gesagt hat: Nichts ist gut, weil es bereits gestern gut war, sondern gut ist nur, was an sich gut ist. Jene Zeit hatte Juda Maccabi, wir hatten Theodor Herzl. Denken wir an das Symbol, mit dem er vom Chanukahleuchter spricht: „Erst eine Kerze, da ist es noch dunkel, und das einsame Licht sieht noch traurig aus. Dann findet es einen Gefährten, noch einen, noch einen, noch mehr. Die Finsternis muss weichen. Bei den Jungen und Armen leuchtet es zuerst auf; dann schliessen sich die anderen an, die das Recht, die Wahrheit, den Forlschritt, die Menschlichkeit, die Schönheit lieben. Wenn alle Kerzen brennen, dann muss man staunen und sich freuen über das getane Werk. Und kein Amt ist beglückender als das eines Dieners am Licht!" Ja, liebe Bundesbrüder, lasst uns das Amt des Dieners am Licht übernehmen. Lasst den V. J. St. den ersten sein, der das Recht, die Wahrheit die Freiheit, den Fortschritt, die Menschlichkeit, die Schönheit liebt! Erst eine Kerze, da ist es noch dunkel; aber dann wird es.hell und licht! Erst waren es damals nur wenige Maccabäer, da war es noch dunkel: aber dann schlössen sich die anderen an, und es ward hell und licht. Erst sind es noch wenige, die unseren Gedanken vertreten, da ist es noch dunkel; aber dann kommen sie alle, alle, und es wird hell und licht! Denken wir nur an das Amt, welches wir haben: das beglückende Amt des Dieners am Lichte der Freiheit! Dann werden wir den grosszügigsten Mann der neueren jüdischen Geschichte recht verstehen, dann werden wir mit dem V. J. St. auf dem rechten Wege sein! Wenn hierzu unsere heutige Maccabäerfeier beiträgt, dann hat sie nicht vergeblich stattgefunden. Judiseh-stadeiitische Monatsübersicht. *) Der Dezember steht für das studentische Leben Berlins seit Jahren im Zeichen der Wahlen zur akademischen Lesehalle. Diese werden bekanntlich von sämtlichen möglichen (und unmöglichen) Parteien an der Universität zu studentisch-politischen Zwecken benutzt. Man hält die Gelegenheit für günstig genug, sich einmal ordentlich die Wahrheit — und noch mehr die Unwahrheit! — •) Weitere Siglen (vgl. Heft 9, S. 222, Anm.): A. L. H. — Akademische Lesehalle. F. D. P. — Freie Deutsche Partei. F. V. P. — Freie Verwaltungspartei. M. A. — Mitteilungen des Vereins zur Abwehr d. Antisemitismus. N. P. — Nationale Partei. V. J. K. — Vereinigung jüdischer Korporationen. TtSE, -""^-v~^~—■=--*—