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Der jüdische Student · 1908-01-01 · Heft 10 (Januar 1908) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 10 (Januar 1908)
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Der jüdische Student. 243 Und wiederum: damals schrieb man auf die Fahne: vom Griechentum kommt das alleinseligmachende Heil, heute kommt's vom allgemeinen Menschentum. Wo ist der Unterschied? Was ist es anders, wenn sich der Hohepriester damals Jason nannte, der Josua hiess, oder wenn man sich heute Lasson nennt, um nicht Lazarussohn zu heissen? Was ist es anders, wenn man damals zu Ehren des Bacchus das Dionysosfest feierte, oder wenn man heute am Weihnachtsbaume „Stille Nacht, heilige Nacht4* singt? Wahrhaftig kein Unterschied! Und wiederum damals wie heute: die reichen Juden wollten die armen nicht verstehen, und die armen konnten die reichen nicht verstehen. Damals Wessen die Gegensätze Steuerpächter und ausgesaugte Menge, heute heissen sie Berlin W. und russisches Judentum. Kein Unterschied! Wie damals so heute, und wie heute so damals! Etwas mehr Judentum, das tat der Maccabäerzeit not und tut unserer Zeit not. Die Maccabäer haben es vollbracht, wir wollen es vollbringen. So muss man die Maccabäer betrachten. Und so müssen besonders wir V. J. St.-er sie betrachten, die wir das Judentum auf unsere Fahne geschrieben haben. Nicht nur die Helden sollen uns die Maccabäer sein, die glückliche Kämpfe geführt haben; nicht nur die Mutigen, die sich vor keiner Macht der Welt gefürchtet haben; nicht nur die Edlen, die eher sterben wollten, als ihr Judentum lassen, sondern die Juden schlechthin; die Menschen, denen sich Menschentum und Judentum zu einer wunderbaren Einheit versehm>ken hatte, deren Menschentum im Judentume wurzelte, und deren Judentum Menschentum war. Nicht intellektuell darf man die Maccabäer werten, sondern moralisch. Das war das Grösste und Gewaltigste an ihnen, dass sie dem Worte Jude einen neuen Klang gegeben haben, dass sie durch ihr Leben eine neue Moral in jüdischen Dingen geschaffen haben, dass durch ihr Auftreten die allgemein menschlichen Werte wie Mut, Stolz, Freiheit und Individualität eine spezifisch jüdische Prägung erhalten haben. Und das wollen wir von ihnen lernen; es ist das Beste, was wir von ihnen lernen können, denn es ist die Basis, auf der unsere Vereine beruhen. Der kennt unsere Vereine schlecht, der meint, dass sich ihr Wesen mit jenem Kampfe nach aussen und innen erschöpft, der glaubt, wir wollen nur Soldaten heranziehen. Nein, Menschen wollen wir heranziehen; denn das tiefste Wesen unserer Sache ist etwas innerliches! Maccabäer wollen wir heranziehen, denn iviaccabäertum heisst Menschentum und Judentum! Was wir brauchen, sind unbedingt anständige, sittlich hoch- und höchststehende Menschen, Menschen, die durch ihr Leben beweisen, dass Judentum Sittlichkeit bedeutet! Wir wollen junge Juden zu vornehmen Menschen machen, das ist das Wesen des V. J. St. Liebe Bundesbrüder! Kein Unterschied zwischen damals und heute! Wirklich kein Unterschied? Oder vielleicht gerade der, dass

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