Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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242 Der jüdische Student. getan haben, was der Selbsterhaltungstrieb eigentlich einem jeden von uns zu tun gebietet. Nein, nur aus ihrer Zeit heraus sind die Maccabäer zu verstehen, nur aus ihrer Zeit heraus kann man ihre Grösse ermessen. Denn nicht war es damals so, wie es sonst bei grossen Volkserhebungen zu sein pflegt, dass als Produkt der nationalen Begeisterung aus dem Volke ein Mann hervorgeht, der der Volksstimmung Ausdruck verleiht und sein Volk zum Siege führt; sondern umgekehrt war es. Mit dem Judentume steht und fällt der Maccabäergedanke, und was wusste das Volk vom Judentum? Griechentum war ja in Mode. Was sollte auch einem Volk das Judentum, das nur aus Bettlern bestand, die das Brot nicht hatten zum täglichen Leben, und aus Baronen, denen das Volk nichts war als ein einträgliches Geschäft? Die Bettler trifft keine Schuld; sie konnten nicht; aber die Barone, die wollten nicht. Was sollte ihnen auch das Judentum? Griechisch zu sein war ja viel bequemer und einträglicher. Da stiess man oben nicht an und gefiel am Hofe. Griechentum war Mode; griechisch war die Sprache, griechisch war der Unterricht, griechisch war die Sitte, und, was das schlimmste war, griechisch war die Moral. — Und in einer solchen Volksstimmung traten die Maccabäer auf, und das war ihr Verdienst. Nicht das war es, dass sie den Kampf mit dem Syrer aufzunehmen wagten, sondern das, das sie ihn aufnahmen wider den Willen des grössten Teils des Volkes. Nicht das war es, dass sie sich gegen den äusseren Feind wehrten, sondern das, dass sie es taten, während der innere Feind mächtiger war als je. Nicht der Syrer war der wahre Feind. . . . Der wahre Feind sass im eigenen Inneren. Der wahre Feind war der missverstandene Hellenismus. Wahrhaftig, gross und gewaltig sind die Taten, die sie im Felde vollbrachten; aber grössere führten sie am eigenen Volke aus. Sie waren die ersten, die den Gedanken bekämpften, der leider niemals unter den Juden erloschen ist, der uns glauben machen will: alles Jüdische ist schlecht, und alles Nichtjüdische ist gut. Sie sagten es immer und immer wieder: für uns Juden ist alles Jüdische gut und alles Unjüdische schlecht. Sie zeigten es — nicht mit Worten; denn das hätte nichts genutzt, sondern mit Taten, dass es uns nicht das Heil bringt, missverstandenes Griechentum nachzuäffen, sondern dass wir unsere beste Kraft aus unserem eigenen Innern saugen. Sie wollten die Juden jüdisch machen; das wollten die Maccabäer. Und was wollen wir? Nun, liebe Bundesbrüder, haben nicht die Maccabäer die Taten vollbracht, die wir uns auf unsere Fahne geschrieben haben? Sind es uns nicht Heimatsklänge, wenn wir vom Kampfe nach aussen und innen reden hören? Und wo liegt der Unterschied in der Zeit? Damals waren es die Syrer, heute die Antisemiten. Damals schändete man ihr Heiligstes, ihren Tempel, heute tritt man unsere Ehre mit Füssen. Damals kämpfte man mit Feuer und Schwert, heute mit geistigen Waffen. Ist der Untersehied gar so gross?