Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1907)
- Date
- 1907-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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m Der jüdische Student. praktische Tat anzuschliessen. Es geht heute einmal nichts ohne Geld. Also sei das Geld unser Interimsgott, dem wir sowohl begeistert als mit den klügsten Hintergedanken dienen! Der Vordergedanke aber bleibe Geld und abermals Geld. Gelänge es, sich eine und die andere wöchentliche Stunde zu verschaffen, die im Monat fünf Mark trüge, so könnten pro Jahr etwa 45 Mark nicht allzuschwer erwerbbar sein; gelänge es im ganzen grossen B. J. C. etwa fünfzehn Leute zu der gestellten Aufgabe heranzuziehen, so wäre der Ertrag eines Jahres — immer mit knappen und verkleinerten Zahlen gerechnet — ungefähr fünfhundert Mark. Fünfhundert Mark!?! Aber so greifen wir uns doch an die respektiven Köpfe! Also jährliche fünfhundert Mark ohne die Kindes — und Kindeskindzinsen werfen wir seit Jahren aus den respektiven Fenstern? Uns schelte man noch Jud' und krasser Materialist! Auffallend bleibt es in der Tat, wie „Juden" so leichtherzig am auf der Strasse liegenden Golde vorbeiwallen konnten. Lassen wir unsere Phantasie ein wenig spielen, nehmen wir Zahlen wie zwanzig Leute und Mk. 50,— im Jahre, so gelangen wir rasch zu Summen, die die Tausendergrenze erreichen. Tausend Mark in einem Jahre! Rechnen wir jedoch ganz sachlich, so wird ein Student mit 2 Mk. pro Stunde bezahlt. Macht im Monat minimum Mk. 8,—. Neun Monate sind für Lektionen verwendbar: Summa Mk. 72,—. Wird die Arbeit von mehr als zwanzig Bundesbrüdern betrieben und ergiebt sich im Glücksfalle ein Plus an Stunden, so stehen wir mit einem Einkommen da, das zwischen Mk. 1500 und 2000 schwankt. Dies für phantasievolle, aber durchaus nicht abzulehnende Rechner. — Einige Jahre Sammeins und wir haben uns aus Proletariern zu höchst verwerflichen Kapitalisten umgeformt Wäre das nicht wirklich reizend? Das Ergebnis solcher Bestrebungen dürfte natürlich nicht in Kleinigkeiten vergeudet werden. Es handelt sich bei unserem Vorschlage um die Gründung eines B. J. C.-er-Fonds} mit dem sich wirklich Ernsthaltes beginnen liesse. Man würde es uns mit Recht als Lust an Spielerei auslegen, wollten wir über die spätere Verwertbarkeit eines grösseren Kapitals meditieren. Die Zwecke sind klar. Ganz freiwillig wird sich die Sache nicht durchführen lassen. Aber wenn wir die ernstliche Pflicht zur Initiative den Erstchargierten als einfache Amtsaufgabe vorläufig aufoktroyren oder die Erstchargierten diese Befugnis für sich usurpieren lassen, kann morgen schon die Tat der Anregung folgen. Man sehe sich nach Stunden um. Man gewinne die Bundesbrüder. Man nötige sie mittels der Disciplinargewalt, wenn sie grundlos widerstreben. Unser Bund ist kein Scherz. Wir haben eine tiefernste Aufgabe. Rücksichten auf Bequemlichkeit sind mit dem äussersten Nachdrucke zu bekämpfen. — -Konvent und Kartelltag mögen freilich nicht ohne die legislativ wirkende Billigung an unserem Vorschlage vorbei-