Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1907)
- Date
- 1907-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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'er jüdische Student. G 232 Ich werde beweisen, weshalb die Arbeit des B. J. C. absolut nicht den Ertrag für den Zionismus bringt, als sein Charakter und seine Grösse ihn verlangen sollte; weshalb ich das Prinzip des B. J. C. — die Mausefalle — gegenüber dem einer offen zionistischen Corporation weiter bejahe; und wie wir durch eine neue Form dem alten Sinn zu seiner Kraft verhelfen können. Darf ich einige Erfahrungen sagen: Die einzelnen V. J. Sten zeichnen sich durch Verschiedenheit ihrer Güte aus; wer das Urteil fällt? Gute V. J. Ster, von allen anerkannte Leute — dass sich viele Kartellvereine für glänzend halten, ist psychologisch zu verstehn. Jeder Verein hat so seine Specialfärbung: Berlin ist für die Ituhe, vertraut auf die Kraft aus anderen Kartellvereinen nach seiner Devise: Hilf dir selbst; Charlottenburg ist mehr aestbetisch und für üppige Entfaltung aller Persönlichkeit zu haben; Freiburg lebt gemütlich, liebt die Touren und fällt auch in Reue auf jüdische Arbeit; München zeigt eine eigenartige Consistenz: es gibt nicht etwa Zionisten u;id Nichtzionisten, sondern eine Partei, die stark agitierend zionistisch arbeiten will und eine andere, die das weniger will und — nicht verwunderlich — aus Zionisten und Mchtzionisten besteht; so ist es der Boden für Berliner, Schleaische, einheimische Cliquen; Strassburg sendet nach Berlin öfteis V. J. Ster, deren persönliche Liebenswürdigkeit man schätzen muss — ich habe nach Erzählungen von Strassburgern Grund zu der Ansicht, dass dort viel Billard gespielt wird, sonst wenig geleistet wird; Koenigsberg ist durch unsern bekannten Bbr. Blumenfeld zu kräftiger Blüte gelangt; von Marburg glaube ich dasselbe; Breslau zeichnet sich durch eine markante Art von Disziplin nicht gerade vorteilhaft aus; dieMaccabäer sind bestrebt, bessere V. J. Ster heranzubilden. Wie sieht es denn nun mit dem Zionismus dieser V. J. Ster aus? Es wird zionistisch wenig gearbeitet — überall Widerstand, Kampf — am Semeisterende ist auch er zu Ende, überall Unlust — nirgends Begeisterung, nirgends tiefgehendes Interesse — da gehen die Leute in der Corporation herum, befolgen die äusseren Vorschriften widerwillig, unterhalten sich auch über diese und jene Dinge im Zionismus, weiter gegen das K. Z. V. und was sonst alles für die meisten B. J. Cer symptomatisch ist. Die Leute werden A. H. A. H. und zeigen sich dann dergestalt als schlechte und unbewusste V. J. Ster, wie Bbr. Feuchtwanger in seinem Artikel „B. J. C.-Politik" geschildert hat. Woran das liegt? Ich glaube daran, dass der B. J. C, sich zu schwere Arbeit gemacht hat. Er will sowohl zionistische Agitation als zionistische Innenarbeit — also Verinnerlichung im Zionismus, Beschäftigung mit all7 seinen Zweigen — in sich zur Durchführung bringen. Der Fux braucht nicht Zionist zu sein, der Bursch nicht, der Alte Herr nicht, — auch nicht Corporationsstudenten. So kommt es, dass in einzelnen Vereinen, die in nichtzionistischen — wenn man so sagen darf — Gegenden liegen und