Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1907)
- Date
- 1907-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
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Der jüdische Student. 227 ungerecht handeln müsste, wenn sie die über die Norm aufgenommenen Juden entfernen wollte/ Dagegen gehen in Odessa Dinge vor sich, die aller Beschreibung spotten. Ich erhalte dieser Tage Einsicht in einen Brief vom 27. Nov., den ein Kongressdelegierter auf dem Umwege über einen gemeinschaftlichen Bekannten in die bürgerlichen Zeitungen dirigieren wollte und aus dem ich die uns besonders interessierende Stelle hier wörtlich zum Abdruck bringe: »Romantisch unglaublich ist auch die allgemeine Veranlassung der besonders zahlreichen Verhaftungen von Studenten. Die Niederträchtigkeit und Perftdie gegen Kameraden, die dabei eine Anzahl von den den Stand der Studenten schändenden Schurken an den Tag legte, ist so ungeheuerlich, dass man unwillkürlich an fabelhafte Bösewichter erinnert wird. Die Odessaer studentische Abteilung des Verbandes des russischen Volkes verschmähte es nicht, sich in eine förmliche Spionenorganisation zu verwandeln und an ihren Studiengenossen schnöden Verrat zu begehen. Diese wackeren Musensöhne und Polizeispitzel übergeben dabei der Polizei eine förmliche Proskriptionsliste der freisinnigen Studenten, die dann natürlich samt und sonders dem „Arm der Gerechtigkeit"1 verfielen. Darüber empörten si:h die anständigen Elemente der Studentenschaft und veranstalteten am Montag d. U5. November eine natürlich nicht genehmigte Protestversammlung. Man beabsichtigte, zum Zeichen des Protestes den Beschluss zu fassen, die Einstellung der Vorlesungen zu erzwingen. Der stellvertretende Rektor kam aber der empörten Studentenschaft zuvor und schloss auf die Aufforderungen der Polizei die Universität. Montag, den 25. Nov. morgens, konnte man an den Türen der Universität einen von seiner Magnifizenz unterzeichneten Anschlag lesen: >In xAnbetracht der Bestrebungen der Studenten, den regelmässigen Gang der Arbeiten zu stören, erkläre ich die Universität für vorübergehend geschlossen." Zu gleicher Zeit verfügte der Generalgouverneur die Schliessung der Studentenküche.* Dieser Bericht ist für mich völlig glaubwürdig — mit Berücksichtigung des Mannes, der ihn geschrieben hat. Und wenn es trotzdem dem Hilfsverein der deutscher Juden, dem ich die Weitergabe an die Redaktionen überliess, nicht gelungen ist, den Brief auch nur in einer „liberaler" Zeitung unterzubringen, so ist das die Schuld des deutschen Bureaus der „Alliance U. J.(<7 die die Stirn hatte mitzuteilen, dass in Odessa „nur ganz unbedeutende Strassenkrawalle vorgekommen seien, die schnell vorüber gingen und kaum beachtet wurden. In der Stadt sei alles ruhig (Voss.-Ztg. von 2. XII.). »Die Alliance, meinte man bitter im Hilfsverein uns gegenüber, findet keine andere Betätigung und keinen anderen Beruf, als den, Helfershelferin der schwarzen Bande zu seintt. Aehnlich die J. R., No. 49, S. 527, wo noch weitere Berichte über die Zustände stehen. So konnte nun die Sache nur den jüdischen Zeitungen übergeben werden, und die öffentliche Meinung in Europa wird