Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1907)
- Date
- 1907-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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226 Der jüdische Student. sächlich bald nur mehr auf dem Papier besteht. Und Papier ist geduldig! — Zur Ausländerfrage nehmen die »Burschenschaftlichen Blätter" (No. 3), besonders mit Beziehung auf Darmstadt — wo übr. nach einer vorläufigen Schätzung, infolge der verschärften Aufnahmebestimmungen in diesem Semester ungefähr 200 russische Studenten weniger studieren werden (A. T. Z. Heft 16) — die intollerante Stellung ein, die ihnen nur zuzutrauen war, während sich der „Verband studierender Frauen Deutschlands* auf seiner letzten Tagung in der Ausländerinnenfrage liberaler zeigte als vor Jahresfrist, indem es den Vereinen frei bleiben soll, unter Berücksichtigung der Universitätsbestimmungen Ausländerinnen aufzunehmen (B. T. von 27. Nov.). Wie übr. soeben die Blätter melden, hat ^die herzoglich-anhaltische Staatsregierung dem Magdeburger Zentralanzeiger zufolge sämtliche russischen Studenten aus der Hochschule in Cöthen ausgewiesen. Den Ausgewiesenen wurde eröffnet, dass die Ausweisung erfolgte, »weil sie zu der anarchistisch-revolutionären Partei gehören; und dass sie Anhalt binnen drei Tagen zu verlassen hätten. Nach dem B. T. (5. Dezember) soll es sich aber nur um die Ausweisung dreier verdächtiger Russen handeln. Da am dortigen städtischen Friedrichs-Polytechnikum 105 russische Studierende immatrikuliert sind, würde es sich auch in der Tat im anderen Falle um eine ganz ungeheuerliche Massnahme handeln. Aus Russland kommt diesmal, was die Zuiassungsfrage angeht, bessere Kunde — ob sie sich bestätigen wird? Sowohl die Universität in Dorpat „hat dem Unterr-ichtsminister ein Verzeichnis von jungen Leuten mosaischer Konfession vorgestellt und deren Aurnahme über die gesetzlich vorgesehene Norm hinaus befürwortet* (J. R. No. 4ö) als auch werden im Ministerrat verschiedentliche Stimmen laut, die nicht gerade zu Ungunsten der Juden zu sprechen scheinen. Wenigstens wird dem B. T. am 19. Nov. aus Petersburg gemeldet: »Der M in isterrat hat in seinen letzten Sitzungen beschlossen, in der Juden rrage der Reichsduma keinen Entwurf vorzulegen, sondern die Initiative der Duma abzuwarten. Der Vorschlag einiger Bureaukraten, die Juden als Ausländer zu betrachten, wurde vom Ministerrat verworfen. Der Vorschlag ist nicht neu, er wurde schon im vorigen Jahre vom Ackerbauminister Fürsten Wassiltschikow gemacht. Die Judenfrage wird auch den Gegenstand einer der beiden Interpellationen bilden, welche, wie ich höre, von seiten der Rechten in kurzer Frist eingebracht werden sollen, und auf deren Beantwortung sich die Regierung jetzt vorbereitet. Die Interpellation fragt, warum am Polytechnikum Kiew jüdische Studenten über die Norm aufgenommen worden sind. Diese Interpellation wird Stolypin selbst beantworten. Er will darlegen, dass die Aufnahme auf direkte Verfügung des bereits verabschiedeten Gehilfen des Handelsrninisters Stow stattgefunden hat und die Regierung