Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 8 (November 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 203 es! Wir sind zu viel und zu wenig Tüchtige, oder sagen wir, um niemanden zu beleidigen, zu wenig für unsere Ziele und Zwecke Geeignete und Brauchbare. Wir sind zu wenig wählerisch bei der Aufnahme neuer Mitglieder, immer noch treibt uns der ungesunde Ehrgeiz, möglichst die stärkste Korporation zu sein. Ni;ht wahr, so ist es doch? Ueberlegen wir uns doch einmal, wie wir unsere Füxe bekommen: Antrittskneipe! Die mehr oder minder begeisternde Tendenzrede ist unter Beifallsgetrampel verhallt, das Farbenlied verklungen. Da erhebt sich auch schon der erste Bbr.; „Ich habe der Korona die erfreuliche Mitteilung zu machen, dass sich soeben.......n. s. w.* Und nun gehts allmählich, bald schneller, bald langsamer folgt eine Activ-Meldung der andern. Und wenn dann der Kommers um ist, dann verkünden wir's strahlend einander und wohl auch ausserhalb unseres Kreises: „Wir haben 10, 15 neue Füxe!" Ja wir sind tüchtige Kerle! Und das alles haben wir an einem Abend fertig gebracht. Wieso auch nicht? Auf jeden einzelnen Gast war ja ein Bbr. losgelassen mit der strengen Weisung und wohl auch selbst von dem Gedanken erfüllt: »Der muss activ werden!" Um im Laufe einer, vielleicht auch zweier Stunden hat er den andern so weit. In diesen zwei Stunden ist sich der liebe Bbr., an dessen Keiltüchtigkeit gar nicht zu zweifeln ist, ganz klar geworden, dass der neue Fux, der nun activ ist, geeignet und brauchbar für uns ist. Fr kennt seine intellectuellen Fähigkeiten, er ist sich klar, dass der neue Fux >>das regste Interesse für jüdische Dinge^ hat, er kennt auch seinen ganzen inneren Menschen, weiss, dass er die Fähigkeit zur disciplinierten Unterordnung hat, dass er schliesslich auch geeignet ist, einen Freundschaftsbund fürs Leben mit Gesinnungsgenossen einzugehen. Alles das weiss der betr. Bbr., der den neuen Fux gekeilt hat; in Wirklichkeit weiss er gar nichts, einmal darum, weil man in zwei Stunden, auch auf 2 Vereinsabendgn, einen Menschen nicht kennen lernen kann, und dann weil man dem Keilobjekte immer mit einem gewissen Optimismus, dem Vorurteil, in ihm alles (Kite zu finden, gegenüber steht. --- Also der neue Fux hat sich aktiv gemeldet. Auf dem Konvente trägt der Bbr., der ihn gekeilt hat — der einzige, der ihn kennt, und wie kennt er ihn! —• noch einmal sein Urteil über den Aufzunehmenden vor. Fs wird abgestimmt, manchmal en-gros. Und der Fux oder die Füxe sind Mitglieder des B. J. C. geworden. Und dann beginnt die Plage und das Klagen. Das Klagen der Füxe, dass man sich ihnen nicht genügend widme, dass man nicht verstehe, sie an den Verein zu fesseln, sei es durch persönliche Beziehungen, sei es durch Aufgaben, die man ihnen für ihre jüdische Betätigung stellen sollte — nota bene, nur bei solchen Füxen, die bei ihrem Eintritt in unseren Kreis das Be wusstsein haben, Aufgaben und Pflichten zu übernehmen. Ja, wir sind eben zu viele, da kann sich nicht jeder jedem widmen, auch nicht die Auswahl der Arbeit nach den individuellen Fähigkeiten