Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 8 (November 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Der jüdische Student. dass ihr gutes Beispiel den Activen, die ja für das Leben herangebildet werden sollen, nützlich und erspriesslich ist. Sie sollen den Konnex mit der Activitas aufrecht erhalten und im Sinne des V. J. St. im öffentlichen Leben wirken. Zur Frage der Aufnahme neuer Mitglieder.:) Von Georg Herlitz, Berlin. Es ist in letzter Zeit in unseren Berliner Vereinen, im Kreise ernster Bbr. Bbr. und nicht zuletzt in diesen Blättern über die Zustände im B. J. C, über die Arbeit, die wir leisten, und die Erfolge, die wir erzielen, viel diskutiert worden. Und es darf wohl mit aller Ehrlichkeit noch einmal gesagt werden: das Resultat unserer Selbstprüfung war, dass in unserem Kreise nicht alles so ist, wie es sein sollte. Weder leisten wir das, was in unserem Programm steht, ganz, weder gehen wir den rechten Weg bei der Erziehung unserer Mitglieder zum „bewussten Judentum"; noch — und das ist die Wirkung des ersten —, erzielen wir den Erfolg, den wir gern sähen, die Vermehrung der Reihen der im jüdischen Leben wirkenden Männer. Deutlicher gesagt: weder erhalten unsere Eüxe die rechte jüdische Ausbildung und zugleich den starken Geist der Zusammengehörigkeit für das ganze Leben, noch siud unsere Alten Herren, wenn sie einmal nicht mehr im akademischen Leben stehen, mit der notigen Liebe und Begeisterung die Führer unserer Sache. Nicht nur dass sie den Zusammenhang, die Fühlung mit ihren Vereinen, das Interesse für ihre aktiven Bbr. Bbr. — das sollte eigentlich heissen Gesinnungsgenossen — verlieren, nein, es geht ihnen damit auch das Intet esse für unsere Sache, das Bewusstsein ihrer Pflichten im jüdischen Leben verloren. Und nun hat man nach Gründen für diese Missstände gesucht, auch eine ganze Anzahl recht triftigen' und einleuchtender gefunden. Ob aber unter ihnen allen gerade der Grund für alle Schäden im B. J. C. war? Ich giaub's nicht. .Andere wohl auch icht. Wir haben darum das Suchen nicht aufgegeben, den Gedankenaustausch im engeren oder weiteten Kreise fortgesetzt und so den Läuterungsprozess, der sich augenblicklich, nach all den genannten Erscheinungen zu urteilen, im B. J. C. vollzieht, so hoffen wir, gefördert. * Und nun glauben wir uns darüber klar zu sein, was den Krebsschaden in unseren Reihen bildet und die traurige Verflachung unseres Arbeitsprogrammes einerseits, die Erfolglosigkeit unserer Arbeit andererseits verschuldet hat. Das ist *) Die Anregung zu den folgenden Ausführungen empfing ich von Bbr. Herzberg; von ihm stammen auch die positiven Vorschläge. Dass er mit seinen Vorschlägen nicht selbst in diesen BL'ittern vor Euch hintritt, hat seinen Grund in seinen Gesundheitsverhältnissen, die ihm jede überflüssige Anstrengung verbieten, ich gebe seine Anschauungen und Vorschläge genau in seinem Sinne wieder, wie ich sie aus einigen Gesprächen mit ihm kenne. Ich tue es um so lieber, als ich in den wesentlichen Punkten seine Meinung vollkommen teile.