Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 8 (November 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 199. tische Wesen zurück, auf das man stolz ist und das den Akademiker schon rein äusserlich von dem Nichtakademiker scheidet, ihn erhebt über die Miseren, die viele von uns gegenüber den Kaufleuten auf sich nehmen müssen. "Wir merken bisweilen erstaunt, dass wir im Lebenskampf vielfach schlechter dastehen, als die Nichtakademiker, dass wir vieles abstreifen müssen, was wir als Studenten hoch gehalten haben, was wir als gereifte Männer als das ansehen müssen, was es ist — als nebensächlich und specifisch studentisch. Leute, die frü'^er selbst in den kleinsten Detailfragen des Corporationslebens jedem feindlich gegenübertraten, der solche Sachen gleichgültig behandelte, merken, wie ihr Interesse für die Dinge schwindet, und begreifen bisweilen bald nicht mehr, wofür sie sich früher aufgeregt haben. Sie sehen mit Staunen auf die A. H. A. H., die zur Zeit der Gründung des Vereins im Interesse seiner Entwicklung ihre Zeit mit diesen Dingen verbrachten, und fragen sich unwillkürlich, ob das ihre Aufgabe ist, ob sie wirklich in die Details des Corporationslebens sich soweit vertiefen müssen,- um ihre Pflichten gegen die Corporation zu erfüllen. So verfallen viele A. H. A. H. in den Fehler, dass sie das Kind mit dem Bade ausschütten, sie besuchen die Kneipen fast gar nicht mehr, verlieren den Zusammenhang mit den Activen, und fühlen sich daher fremd bei gelegentlichen Zusammenkünften. Hierzu kommt, dass solche A. H. A. H. bei Vereinsveranstaltungen als "Wundertiere angestaunt und naturgemäss von den Activen geschnitten werden. Sie fühlen sich dann in ihrer Würde gekränkt, raisonnieren über den schlechten Ton in der Corporation und fühlen sich auch verletzt, wenn sie tactlose offizielle Reden auf die Alten Herren hören, wenn sie sehen, dass jüngere A. H. A. IL, die nur das Verdienst haben, regelmässig die Kneipe zu besuchen, hofiert und ihnen vorgezogen werden. Dass bei diesen Herren die Besuche des V. J. St. allmählich ganz aufhören, ist nicht zu verwundern. Diesen Entwicklungsgang nehmen viele unserer Bundesbrüder. Es kt psychologisch erklärlich, jedoch sehr bedauerlich. Trotzdem bleiben sie meist in ihren Inneren und auch in der Betätigung ihrer Anschauungen nach aussen gute V. J. St.-er, sie halten an den Idealen der Corporation fest und bringen sie, wo es auch immer möglich ist, klar und deutlich zu Tage. Es wäre daher falsch, solche A. H. A. H., wie einige Heisssporne es wünschen, etwa aus den Vereinslisten zu streichen, Tout comprendre e'est tout pardonner. Dierer Satz möge auch bei der Beurteilung der A. H.-Frage beherzigt wrerden. Da nun auf dem nächsten Cartelltag die A. H.-Frage wieder angeschnitten werden soll, so will ich im Folgenden meine Stellung präcisieren zu der Frage: was können und müssen wir von unseren A. H. A. H. verlangen und wie soll sich das äussere Verhältnis gestalten? Es ist nicht Aufgabe der A. H. A. H., die Convente und Kneipen häufig zu besuchen. Ich habe stets daran festgehalten,