Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 7 (November 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 189 Resultate treuen, „dass die verschiedenartigsten Ideen die Köpfe unserer Bbb. Bbr. beherrschen", ihm ist der V. J. St. ein Diskutierklub über die diversen Therien für die Lösung der Judenlrage. Ihm mögen auch als die höchsten Manifestationen des vielfältig differenzierten V. J. St.ergeistes jene an unsere „wissenschaftlichen" Vorträge anschliessenden unreifen und unwissenschaftlichen Diskussionen erscheinen, die in Wahrheit, absolut genommen, meist unerträglich sind und nur in ihrer Bestimmung als Mittel einer zielbewussten, planmässigen und vereinheitlichenden Erziehung ihre Rechtfertigung finden. Wer aber in der Bestimmung des V. J. St. den geschlossenen Willen spürt, wer das vorausgesetzte Ziel sieht, der vrird vor allem eine Erziehung wollen, die von gewissen gemeinsamen Voraussetzungen ausgehend (bewu^stes„Ju^ejntujrijj diese zu einander tendierenden seelischen Ikrauezu gemeinschaftlichem Fühlen und Wollen und Handeln zusammenschmiedet. Dieses Ziel der Erziehung ist der Zionismus. — Und hier allerdings werden die Zionisten ihr Uebergewicht im B. J. C. zur Geltung bringen müssen. Denn über die Frage, welche Art der Erziehung als die zweckmässigste anzusehen ist, entscheidet in einer demokratisch organisierten Gemeinschaft die Majorität. Damit stempelt man den B. J. V. nicht zu einer „zionistischen Kadettenanstalt", wie geschrieben wurde. Denn eine IViformierung des Zionismus ist unmöglich durch seine seelische und intellektuelle Tiefe und Weite, ja, in ihm ist die einzige Möglichkeit begründet für die Entfaltung einer echten jüdischen Individualität. Wenigstens für die V. J. St.-er! Dieses, dass die Grundstimmung unserer Arbeit, der bewusste zionistische Wille, gestützt werden muss, will dieser Aufsatz all' denen sagen, die in ihren Untersuchungen über die Missstände im V. J. St. alle möglichen Probleme behandeln, aber diese erste und letzte, ihnen vielleicht überflüssig erscheinende Sorge ausser acht lassen. Als Ernst Wölfl austrat, sagte er, dass die träge Atmosphäre des B. ,T. C. auch die guten Zionisten anstecke und schwach und nachgiebig mache. Wer will leugnen, dass in diesen Worten mehr als ein Körnchen Wahrheit steckte! Hierauf will dieser Aufsatz aufmerksam machen. Er beschäftigt sich absichtlich nicht mit anderen hierhergehörigen, sekundären, wenngleich vielleicht feineren Fragen, z. B. den von Kirschner angeschnittenen Problemen. Er müsste sonst — dies sei hier kurz hervorgehoben — gegenüber der möglicherweise gewollten, aber gefährlichen Einseitigkeit, mit der Kirschner über die Arbeit des V. J. St. urteilt und gegenüber seinen Forderungen, oder vielmehr nur gegenüber der Begründung seiner Forderungen betören, dass die Bestimmung, gewissermassen die Mission des V. J. St. nicht eine wissenschaftlich-kulturelle, sondern eine politisch-moralische ist (und auch nur sein kann), dass es sich also im V. J. St. nicht in erster Linie um Bildung wissenschaftlicher Ansichten, sondern