Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 7 (November 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Der jüdische Student. vproblematischen, mehr jn der Zukunft als in der Vergangenheit wurzelnden, nach Erneuerung ringenden, sogenannten nationaljüdischen Geistes, — also ein Kinddesselben Vaters, von dem auch der deutsche Zionismus seinen Ursprung herleitet, und so besteht zwischen B. J. C. und Zionismus eine natürliche, originäre Geistesverwandschaft. Und es wäre beispielsweise sinnlos, den B. J. C. als solchen in irgend welchen Zusammenhang mit der religiösen Weltanschauung des Judentums zu stellen. So meine ich, man sollte aufhören, sich auf den Wortlaut des Statuts zu berufen. AVer den B. J. C. verstehen will, muss aus seiner Entwickelung, aus seinen geistigen und gefühlsmässigen Inhalten den von aller programmatischen Gebundenheit gelösten Grundgedanken seiner Existenz zu erkennen suchen, der da sagt, dass die Not und die Schande des Judentums zum Himmel schreit, und dass der B. J. C. an seinem bescheidenen Teile dazu mithelfen sgll^-das jüdische Volk aus seiner bodenlosen Versunkenheit emporzuheben. Der B. J. C. ist ein Glied der jüdischen Eenaissancebewegung. Mit ihr sieht und lallt er, ihr Schicksal ist das Gesetz seiner Entwickelung. Die jüdische Renaissance aber wandelt in den Bahnen des Zionismus, ihr folgt kraft der immanenten Gesetzlichkeit seiner Entwickelung der B. J. C. Natürlich können und wollen wir unseren andersdenkenden Bundesbrüdern diese These nicht gewaltsam aufzwingen. An diesem Punkte rinden stets die unbegreiflichsten Verwechselungen statt. Aber verlangt werden darf wohl, dass die Zionisten selber an sie glauben, und dass sie lernen, ihr V. J. St.crtum und ihren IZionismus theoretisch und — was wichtiger ist — auch praktisch 'zu identifizieren. Betrachtet man den Sinn des V. J. St.ertums so sub specie zionistica, so ergibt sich als wichtigste Folgerung, dass an allen Orten die notwendige Forderung wiederhergestellt werde, die Erziehung zum V. J. St. auf zionistische Grundlagen zu fundieren. Auch hier muss ich wohl wieder hervorheben, dass ich nicht an eine Zwangserziehung denke. Dass eine, wenn auch noch so vernünftige Erziehung eine Vergewaltigung der Individualität und Denkfreiheit bedeute, ist eine pädagogische Theorie, die Avohl heute kaum noch Vertreter hat, und die jedenfalls dem Wesen der Corporation direkt entgegenläuft. Auch das Wesen unserer Organisation ist Erziehung, nicht Diskussion. Diese Auffassung hängt eng mit dem zusammen, was in dem ersten Teile des Aufsatzes über Sinn und Bedeutung des V. J. St. gesagt wurde. Erziehung setzt Ziel und Zweck voraus. Wer sagt, dass unser Gedanke nur den gemeinsamen Ausgangspunkt bilde für divergierende Geistesrichtungen (bewusstes Judeji^^tum}, der kann vielleicht wissenschaftlichen FuxeliunteTrichf erteilen, aber er kann nicht erziehen im Sinne des B. J. C. denn er kennt nicht die Endabsicht und den Schlusspunkt seiner Willensrichtung. So mag er sieh an dem