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Der jüdische Student · 1907-11-01 · Heft 7 (November 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 7 (November 1907)
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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190 Der jüdische Student. um Formung politischer Ueberzeugungen handelt, und dass, wenn die Synthese „Glauben und Wissen" unmöglich wäre, vor der Alternative „Glauben oder Wissen" die Antwort des B. J. G unbedenklich lauten müsste: Glauben!! Dass man im übrigen, innerhalb einer studentischen Corporation, sich der Grenzen des Möglichen bewusst bleiben und mit der Tatsache vertraut machen soll, dass eine Corporation als solche, d. h. unmittelbar durch sich selbst, auch bei grösster Vervollkommnung ihrer organisatorischen,, vor allem wissenschaftlichen Institutionen im Durchschnitt immer nur grobmechanische Arbeit leisten wird. Nur durch besonders q alifizierte Einzelpersönlichkeiten und dann wohl auch in Einzelpersönlichkeiten erzeugt sie höhere und feinere Werte. Die aber sind dann ihrer Natur nach vorwiegend moralische, nicht intellektuelle; und müssen es auch sein! Damit soll die, jedenfalls sehr beachtenswerte Bemerkung Kirschners hierzu: „Charaktere sind nicht nur auf Fühlen und Wollen basiert, sondern auch — und gerade — auf Denken! Sie orientieren sich also nicht nur an sentimentalen und e'hischen Momenten, sondern auch sehr stark an logischen oder, im weiteren Sinne, an intellektuellen", nicht übersehen, aber in ihrer Bedeutung für unsere Arbeit begrenzt werden. Aber all' dieses müsste in einem besondern Artikel ausführlich behandelt werden, ebenso wie schliesslich der letzte und wichtigste, ebenfalls von Kirschner berührte Teil des Erziehungsproblemes: ob es möglich ist, für den Zionismus und durch ihn einen realen jüdischen Lehensinhalt zu schaffen, der vor dein übermächtigen Gegendruck deutscher Kultureinflüsse bestehen könnte. Doch lassen wir dies hier beiseite! Der Aufsatz will keine Agitation treiben, er will nicht die Schwankenden stützen, er richtet sich gerade an die Zionisten, welche alle Widersprüche und Conflikte des Zionismus erlebt und durchgekämpft haben. Denn sie werden am tiefsten fühlen, warum es notwendig ist, die zionistische Forderung in unzweideutiger Schärfe zu stellen. Wie ich hoffe, werden unsere Vertreter auf dem Kartelltage empfinden, dass der Zionismus im B. J. C. eine energische Aufmunterung verlangt. Man kann — leider — gegenüber Anträgen, die in diesem Sinne gehalten s.nd, nicht mehr einwenden, dass sie Selbstverständliches aussprechen und daher überflüssig sind. Ich halte von Resolutionen und Beschlüssen, die bei solcher Gelegenheit gefasst zu werden pflegen, nicht gerade viel. Aber in manchen Situationen sind sie ganz angebracht als ein Ausdruck und'Ausfluss der tatsächlichen Machtverhältnisse. Und die Sozialdemokratie besitzt doch genügend innere Kraft, Resolutionen zu schaffen, die unleugbar imstande sind, moralische und disziplinarische Werte auszulösen! Ich glaube, der K. T. müsste eine Resolution annehmen, die — vielleicht im Rahmen längerer programmatischer Erklärungen — vor allem ungefähr folgenden Satz enthalten sollten:

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