Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 7 (November 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Der jüdische Student. bis etwa zum 5. K. T., wusste jeder B. J. C.-er, dass der Geist; der es geschaffen, der zionistische war, sein lebendiger Inhalt die Ideale der jüdischen Renaissance. Der Zionismus war das Prinzip, das die Tendenz des B. J. C. bestimmte und gewissermaßen regulierte. Solange diese Auffassung, die nur von ganz wenigen Bundesbrüdern nicht geteilt wurde, im B. J. C. die selbstverständliche war, kannten die V. J. St.-en nur die eine grosse Aufgabe, ihre Mitglieder zu überzeugten Zionisten zu erziehen. Heute, da Austritte aus dem B. J. C. möglich sind, die in der zionistischen Gesinnung der Ausscheidenden ihre, wenn auch nicht berechtigte, so doch nur allzu verständliche Motivierung finden, sind ganze Vereine im B. J. C. zu einer anderen Auffassung abgeschwenkt. Zur Rechtfertigung beginnt man, sich auf die Form des Programmes zu berufen, weil man nämlich seinen Geist nicht mehr versteht und sagt — übrigens zweifellos mit Recht — dass diese Form jede jüdische Auffassung zulasse. Wir brauchen nur an die oben bereits erwähnten Ereignisse der letzten Jahre und an ihre Begleiterscheinungen zu denken, um zu sehen, einen wie enormen Verlust an zionistischen Energien der B. J. C. im Laufe der Zeit erlitten hat. Hier liegt das aktuelle Problem des B. J. C, in der beginnenden Scheidung von Zionisten und Niehtzionisfen. Die Zionisten aber, die im B. J. C. wie auf dem K. T. wohl noch immer die überwiegende Majorität bilden werden, sollen sich rechtzeitig warnen und aufrütteln lassen und die Gefahr erkennen lernen. Ihre Aufgabe ist es, alles daran zn setzen, dass der zionistische Grundeharakier des B. J. C. gewahrt bleibe, sie müssen verhüten, dass unsere Tendenz in alle möglichen Formen des „bewussten Judentumes" verzettelt, dass dem B. J. C. sein gemeinsamer Inhalt entzogen werde. Wie wichtig es ist, diese Dinge zionistischen Bundesbrüdern zu sagen, zeigt die m. E. völlig mifsverständliche Behandlung, die dieses Thema gerade von zionistischer Seite in mehreren Nummern dieser Zeitschrift erfahren hat. Und diese Missstände müssen beseitigt werden. Zunächst kann selbstverständlich keine Rede davon sein, dass andersdenkende Bundesbrüder vergewaltigt und ausgeschlossen wrerden sollen. Ich halte auch die Schaffung veränderter Statuten, die einen solchen Ausschluss nicht mehr als gesetzwidrig erscheinen lassen würden, für völlig indiskutabel. Auch heute noch gelten die Gründe, die ehemals unserem Programm seine Form gaben, und das Schicksal des K. Z. V. scheint mir keine Empfehlung für eine verfrühte, allzusehr nach innen gerichtete Politik. Aber wie wir die Ueberzeugungen anderer respektieren, ebenso selbstverständlich ist es auch, dass wir Zionisten das Recht und die Pflicht haben, das V. J. St. - ertum zionistisch und nur zionistisch zu verstehen und nach innen zu vertreten.