Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 7 (November 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Der jüdische Student zwisehen K. Z. V. und B. J. C. noch viel deutlicher als alles vorhergehende als gänzlich unhaltbar zeigt. Ich meine die privaten guten Beziehungen zwischen einzelnen Mitgliedern der beiden Verbände unter sich. Diese sind 1. privater Natur und bestehen oft in einer Anfreundung während eines früheren, gemeinsam verlebten Semesters in Berlin oder durch Studiengemeinschaft, 2. Beziehungen, die durch Zusammenarbeiten in einer zionistischen Ortsgruppe entstanden sind. So edel und erstrebenswert dies auch immer ist, es stört die zielbewusste Entwicklung der Vereine. Es ereignen sich Fälle, in denen ein B. J. C.-er mit K. Z. V.-ern ein viel intimeres Verhältnis hat, als mit seinen eignen Bunde^brLidern. Ich gebe zu, es ist ein tolles Dilemma, wenn Gesinnungsgenossen am freundschaftlichen Umgang gehindert werden, aber es muss sein, falls die beiden Verbände streng gesondert weiter bestehen und gedeihen sollen. Sonst müsste man solche Verhältnisse einführen, wie sie in Wien zwischen mehreren jüdischen, ausgesprochen zionistischen Studentenverbindungen bestehen. Man müsste kleinliche Couleur- und alberne Kastenunterschiede einführen. Wir sind jetzt einmal ein regelrechter Studentenverein mit einem gut Teil germanischer Rauf- und Sauf-assimilation, und haben, wie wir bestehen, eine historische Notwendigkeit. Wir müssen als solche nach einer geraden und scharf abgegrenzten Vere:nsgestaltung streben. So muss man in München und Ereiburg vorgehen. Den Vorwurf der Kleinlichkeit gegenüber der grossen Idee und im selben Atemzuge der Vernachlässigung des grösseren Zieles ict ja etwas ganz nettes, aber die ihn machen, zeigen nicht, wie man es anders machen kann. Was man in Berlin, wo sich die verschiedenen Grenzen verwischen und verwaschen, will, ist für jede andere Universität ein greuliches Zwitterding. Der K. T. wird entweder einen völligen Bruch oder wenigstens ein fest definiertes, programmmässig durchgeführtes, offizielles Verhältnis mit dem K. Z. V. herbeiführen müssen. Die andere Möglichkeit der Vermeidung aller Uebelstände, zugleich die Quelle ungeahnten Glückes für beide Verbände und allgemeiner Stärkung der jung-jüdischen Bewegung ist eine Verquickung beider Kartellverbände. Wer den ersten, entscheidenden Schritt tut, der macht sich hochverdient. Bei alle dem schweige ich absichtlich von Lokalskandalen (confer V. J. St. Charlottenburg). Ohne Opfer wird das Werk nicht möglich sein. Es wird auf dem K. T. wenig vorliegen, das nicht in den Rahmen dieser Frage hineinpasste. Wer über die Lösung mancher Fragen im B. J. C. nachdenkt, wird die Möglichkeit einer derartigen, heilsamen Kartell Vereinigung ernsthaft ins Auge fassen müssen. Aber bei allem Vorsicht und peinliche Vorbereitung, bevor auch nur ein Schritt auf diesen neuen, aussichtsvollen Weg gesetzt wird. Percy Zadik (Freiburg).