Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 7 (November 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 179 viele Handelsbeziehungen mit unserem östlichen Nachbarlandc verbinden. Auf diese Weise wuchs die Zahl der Ausländer so stark, dass sie mehr als die Hälfte sämtlicher Studierenden betrug. Wenn nun auch der Senat in dem Andränge ausländischer Studierender zu den deutschen Hochschulen im allgemeinen nur ein erfreuliches Anzeichen von der Wertschätzung deutscher Kultur erblickt, und wenn auch die berechtigte Forderung, dass die Ausländer die auf den einzelnen fallenden Kosten der Ausbildung tragen sollen, für die Leipziger Handelshochschule in vollem Masse erfüllt wird, so wurde doch der Studiendirektor zu Massregeln ermächtigt, die die von einer weiteren Zunahme der Ausländer etwa zu befürchtenden Nachteile abzuwehren imstande sind. Tm besonderen soll jeder Ausländer eine der deutschen gleichwertige Vorbildung besitzen und durch ein Kolloquium vor dem Studiendirektor nachweisen, dsss er der deutschen Sprache mächtig ist. Auch sollen die reichsdeutschen Studierenden zum Belegen von Plätzen in den Hörsälen zuerst zugelassen werden. Ks ist im laufenden Semester ein erheblicher Rückgang in der Zahl der ausländischen Studierenden zu bemerken. In No. 38 der Jüdischen Rundschau macht ein Studiosus N. auf das Fehlen einer jüdischen Verbindung in Würjbürg dringend aufmerksam; er schreibt: In allen grösseren Universitätsstädten existieren judische Korporationen; an einzelnen, die nicht viel mehr jüdische Studenten aufweisen als Würzburg, sind sogar mehrere jüd. Stud.-Vereine (Freiburg, Marburg, Breslau, Heidelberg etc.). Fs wäre nun wohl Ehrenpflicht eines der studentischen Kartelle, endlich einmal einen wirklich selbstbewussten jüdischen Verein hier zu gründen, nachdem mehrere Zirkel offenbar Hehl aus der Zusammensetzung ihres Kreises machen. Besonders dem Bund jüdischer Korporationen dürfte es wohl leicht gelingen, hier einen Zweigverein ins Leben zu rufen.", Wir haben ja in Würzburg bereits vor Jahren gearbeitet, leider tatsächlich ohne dauernden Erfolg. Vielleicht liegt die Sache dem K. T. zur Erwägung vor. Aus Russland kommen, wie zu erwarten ist, ungünstige Nachrichten. Das Berliner Tageblatt veröffentlichte' am SO. 8. folgendes Privattelegramm: Das Ministerium der Volksaufklärung hat die Universitäten durch Runderlass nun tatsächlich benachrichtigt, dass sie nicht mehr jüdische Studenten aufnehmen dürfen, als die beschränkende Vorschrift gestattet, die in den letzten Jahren nach Wunsch des Ministers Tolstoi nicht mehr angewandt wurde. Da auf einzelnen Universitäten der darin zugelassene Prozentsatz jüdischer Studenten weit überschritten ist, wird in diesem Jahre dort gar keine Immatrikulation jüdischer Studenten stattfinden.