Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 7 (November 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 173 jemand von sich sagen kann: patriae inserviendo consumor, so muss das uns genügen." Meinhold ergreife doch gewiss energisch „Partei gegen die schädlichen Einflüsse des Judentums in Kunst und Litteratur", aber ungeheuerlich sei die Zumutung M.'s, die jüdischen Mitbürger als gleichberechtigt anzuerkennen, absolut nicht. Man arbeite mit Juden zusammen, nehme ihre Hilfe für die Grösse und das Gedeihen des Vaterlandes im Handel und Verkehr u.s.w. dankbar an und — verachte sie doch im Herzen! „Entweder ist den Juden alle Gleichberechtigung zu versagen, dann aber auch ihre Mitarbeit am nationalen Fortschritt nicht anzunehmen, oder wir nehmen ihre Mitarbeit an, erkennen dann aber auch jeden Juden, der mitarbeiten will am Wohl und an der Grösse unseres Vaterlandes — M. hat auf Dernburg verwiesen — als gleichberechtigt an. Das ist kein Kompromiss der Gesinnung, sondern ein einfaches Nachgeben gegenüber der Forderung der Wahrhaftigkeit. Dass soll uns natürlich nicht hindern, überall da, wo wir in unserem Volksleben, in Kunst, Literatur oder anderem die schädlichen Einflüsse des Judentums bemerken, mit aller Energie ihnen entgegenzutreten. Das ist, glaube ich, eine reinliche Stellung zur Juden frage/' Zu diesen zweifellos verständigen Ausfuhrungen und damit zu Prof. M.'s Rede selber glaubt Dr. Haenisch in No. 14 noch einmal Stellung nehmen zu müssen. Interessant ist übr. seine Erwähnung des consilium abrundi, das 1881 der stud. theol. Meinhold von der Berliner Unieersitätsbehörde erhielt, weil er die Juden das „Ungeziefer am Leibe Deutschlands" genannt hatte! Haenisch nennt das Eintreten für die Gleichberechtigung der Juden eine »ausser]iche Gerechtigkeit, die in Wirklichkeit zur schlimmsten Ungerechtigkeit und Schädlichkeit am eigenen Volkstum wird,'4 da sie tatsächlich eine Bevorrechtung der Juden sei. In einen krassen Widerspruch verstrickt sich H., wenn er den Juden als Kulturelement eine sehr geringe, ja fast gar keine Bedeutung beilegt — ..wo ist denn der Jude, den man nicht aus dem deutschen Kulturleben herausnehmen könnte, ohne dass eine empfindliche Lücke bliebe:14 — und auf der anderen Seite es als unerhört ansieht, ,dass ein stammfremdes Volk Einfluss auf unsere staatliche Entwickelung ausübt, noch dazu in weit höherem Masse, als es ihm nach jedem möglichen Massstabe, einzig den des Geldes ausgenommen, zukommt/ Für H. bleibt die Notwendigkeit des Kampfes gegen die Durchführung der Gleichberechtigung also durchaus bestehen. Und damit dürfte er die Majorität der V. D. St.-er auf seiner Seite haben. Auch in jüdischen Akademikerkreisen ist in den letzten Monaten ein Pressrehde geführt worden, die zwar ebenso auf prinzipielle Differenzen der beiden Kontrahenten (und ihrer Korporationen) zurückging, doch aber leider beträchtlich persönlicher ausgefochten wurde als jene im V. D. St. Im »Generalanzeiger für die gesamten Interessen des Judentnms* (No. 26) griff ein »Studiosus* den A. J. G. V, (Akadem. Verein für jüdische Geschichte und Literatur)