Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 7 (November 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Der jüdische Student. von hier aus sich erheben. Vergessen wir nicht der grossen Taten, die ein Dernburg für unsere Nation, gerade in unserem Sinne, getan hat. Er aber entstammt dem jüdischen Volke/ Man müsse sich vor einem falschen und vor allem zu engen Begriff des ...Nationalen'1 hüten. »Die (nationale) Gesinnung . . . geht durchaus auf den Dienst am Deutschen Volk. . . . Wer am meisten dient, der liebt am meisten, der leistet am meisten, der herrschst am meisten. . . . Die Vereine sind nicht und sollen nicht ein Gerichtshof sein, der festzustellen hätte, welche Handlung nun im gegebenen Falle national wäre oder nicht/ Diese Rede kann verschieden ausgelegt werden: ich persönlich glaube nicht, dass für M. die Juden ein voller Schwamm sind, den man( ausdrückt und dann wegwirft, sondern die Ausführungen dieses Greifswalder Theologen bedeuten zweifellos die Aufforderung zur Nationalisirung der Juden im deutschen Sinn; und wenn man gar auch ein bisschen Judenmission zu wittern berechtigt sein sollte, dann haben sich die jüdischen Zeitungen vielleicht etwas zu früh gefreut über das philosemitische Lämmlein unter den antisemitischen Wölfen. Jedenfalls halte ich es für verfrüht, mit den »Akademischen Monatsblättern/ dem Organ des Verbandes der katholischen Studentenvereine Deutschlands (No. 12), in Rücksicht auf M/s Rede von einer „Gährung* zu sprechen, die evtl. »bei den Mitgliedern eine allseitige Klärung ihrer Anschauungen über ihre prinzipielle Stellung zur Judenfrage zur folge haben wird/ — Einem Dr. Haenisch, der in No. 11 eine ^Erwiderung8 loslässt, sind M/s Ausfuhrungen geradezu der Ausfluss eines Greisentums, „das so viel schon erlebt hat, das alles versteht und alles verzeiht, das den Mut des Entschlusses nicht mehr finden kann/ Dieser Entschiuss besteht für i L einfach in einer strikten Ablehnung der Gleichberechtigung der jüdischen Mitbürger. Er entblödet sich nicht zu versichern, dass er ja gar nicht die Juden totgeschlagen oder ihres Eigentumes beraubt wissen wolle. Das kann man ja schliesslich mal brauchen. »Oder waren unsere Grundsätze so streng, dass wir im Falle eines Krieges jüdisches Kapital zurückgewiesen hätten? (um nur ein kiasses Beispiel zu nennen!)' Gott behüte! Und das nennt Herr H. „Kompromisse der praktischen Arbeit*, die er für erlaubt zu halten so gütig ist, die aber >}n cht zu Kompromissen der Gesinnung* werden dürfen! M/s Begriff des Nationalen lehnt er schroff ab, verschweigt aber wohlweislich seinen diesbezüglichen Standpunkt. Ein Gutes ist nur an seiner, übrigens in gemässigtem Tone dargebotenen Erwiderung: dass er sich zu denen rechnet, vdie ganz gewiss von ihrer menschlichen Irrtumsfähigkeit voll überzeugt sind/ Er muss es ja wissen. . . . Für Meinhold ergreift dann in No. 12 der A.B. cand. theol. Horstmann, Kieler A. H., gegen Dr. Haenisch das Wort „zur Entgegnung." Er hält es einfach für die Schuldigkeit der V. D. St.-en, „jeden, der sich selbst für national ausgiebt, dafür auch zu halten, bis er den Beweis des Gegenteils liefert . . , Wenn