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Der jüdische Student · 1907-10-01 · Heft 6 (Oktober 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 6 (Oktober 1907)
Date
1907-10-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Der jüdische Student. 159 V. J. St. und jüdische Gemeindepolitik. Es ist während der letzten Zeit — in diesem Blatte wie auch sonst innerhalb des Vereins — des öfteren davon geredet worden, wie unser Bund doch eigentlich so wenig Positives geleistet habe und noch leiste. Der eine Bundesbruder meint, straffere Disziplin täte uns not und wünscht sich Fechten fünfmal offiziell, der andere redet einer gründlicheren Ausbildung der Füxe das Wort und schwärmt für hebräische und nationalökonomische Kurse, ein dritter endlich sieht den schwachen Punkt in der ,,seichten1' Tendenz und glaubt das Heilmittel in der Zionisierung des Vereins gefunden zu haben. Ohne gerade die augenblicklicheLage ais ideal anzusehen, bin ich doch der Ansicht, dass diese Bundesbrüder in ihrer Kritik zu weit gehen, indem sie vergessen, mit den tatsächlichen Verhältnissen zu rechnen. Ich habe nun auch etwas zu sagen, möchte aber nicht in den Fehler der betreffenden Bundesbrüder verfallen und mir meinen gesunden Optimismus nicht rauben lassen. So will ich denn unser Augenmerk einmal auf eine praktische Arbeit richten, an der wir jungen V. J. St.-er eigentlich nur als Hilfstruppen mitarbeiten wollen und sollen. Ich denke an die Betätigung des B. J. C. in der jüdischen Gemeindepolitik. Unsere Tendenz legt es uns ja nahe, an ihrer Gestaltung durch Agitation bei den Wahlen zur Repräsentantenversammlung mitzuarbeiten. Tatsächlich ist dies schon längst in Berlin und, wenn ich nicht irre, in Breslau geschehen. In Berlin, der geistigen Zentrale der deutschen Judenheit, der Gemeinde, die zunächst für uns in Betracht kommt, ist uns in diesem Jahre der Kampf aufgezwungen worden durch die Angelegenheit unseres A. H. Dr. Emil Cohn, der Kampf gegen die liberale Orthodoxie. Wir wissen jedoch alle, dass anch ohne den Fall Cohn unser Bund nicht für die „Liberalen" eintreten könnte. Wie sollen wir uns nun verhalten? Wir agitierten bfsher für die Konservativen. Es ist wahr, sie stehen unseren Anschauungen weit näher als die Liberalen, wenn auch ihre Stellungnahme zum Fall Cohn kaum geeignet ist, sie uns diesmal besonders lieb und wert zu machen. Ein wahrhaft Konservativer ist aber immer bewusster Jude. Da wir für uns allein zu schwach sind, so müssen wir wieder mit ihnen zusammengehen. Es ist selbstverständlich, dass wir uns ihnen nicht preisgeben, wie die Juden der Ostmark den deutsch-antisemitischen Kandidaten. Eine Unterstützung ist den Konservativen sicherlich erwünscht, wie jeder Partei, welche die verlorene Machtstellung wiederzuerlangen strebt. Wir können auf Grund unserer Agitationskraft Konzessionen verlangen, wir müssen sie verlangen. Zunächst indem wir bei der Auswahl der Kandidaten ein Wörtchen mitreden. Vor allem müssen wir aber eine Forderung stellen, die Einführung der Proportionalwahlen für die Gemeindevertretung. Der jetzige Zustand ist unerträglich; das System ist alles andere als liberal, es stammt aus einer Zeit,;n der man den Proporz bei Wahlen noch nicht kannte. Die mit wenigen Stimmen durchdringende Liste der Konservativen oder Liberalen triumphiert über

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