Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1907)
- Date
- 1907-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Der jüdische Student. keine Ermahnungen an die V. J. Ster erlassen, zu zahlen und zu dedicieren, ich will zur Abwechselung mal nicht an das V. J. Ster- Gefühl appellieren, sondern einen greifbaren Vorschlag zur Sanierung unserer Finanzen bringen. Ich möchte es hier anregen, dass im »Jüdischen Studenten* eine Dedicationsrubrik eingerichtet wird, wie sie uns ja von der ^Jüdischen Rundschau* her bekannt ist. Ich will daher die technische Seite nicht näher erläutern. Es gibt gerade in der Laufbahn des V. J. Sters sehr viele passende Gelegenheiten zu Gratulationen: ich erinnere nur an die Aufnahme in den A. C. und B. C., Burschenprüfung, Geburt eines Leibfuxen, Staatsexamen etc. etc. Ich brauche sie wirklich nicht erst alle zu nennen. Ausserdem fühlt wohl so mancher Bundesbruder — besonders denke ich hier an die alten Herren — ab und zu das Bedürfnis seiner Korporation eine Spende zukommen zu lassen. Sein Ehrgeiz verbietet ihm aber, wenig — und ein noch zwingenderer Grund, viel zu geben. Also unterdrückt er den so natürlichen Wunsch, sich seiner Verbindung dankbar zu zeigen. Jetzt können wir ihm d!e Gelegenheit bieten, auch die kleinste Gabe ungeniert zu senden, ja, für dasselbe Geld kann er noch irgend einem Bundesbruder irgendwozu gratulieren. Hierher gehören natürlich auch Spenden zur Ablösung von Telegrammen zu Antritts- und Schlusskneipen, Winterfesten und dergl. Die praktischen Vorteile einer sohhen Institution liegen so klar auf der Hand, dass sie sich jeder selbst ausmachen kann. Natürlich müsste für jeden K. V. eine Rubrik eingerichtet werden, evtl. sogar wieder Unterabteilungen wie Bibliotheksfonds, Waffenfonds, Hausfonds (sehr aktuell!) etc. Ich möchte jedoch von den Einzelheiten vorläufig absehen und nur die principielle Erage zur Discussion bringen. Ausser den rein materiellen Erfolgen würde diese neue Institution die alten Herren den Verbindungen näher bringen und sicher letztere den ersteren. Auch würden die einzelnen Bundesbrüder mal wieder etwas von einander hören — und das soll auch ga'-'z nützlich sein. Ganz bestimmt würde dieser »familiäre* Teil das Interesse am »Jüdischen Studenten* erhöhen, wie ja auch das Beispiel der »Jüd. Rundschau* lehrt. Kurz und gut: die Sache scheint »ideal* zu sein, wenn man mir nicht einen Einwand machen könnte — den ich lieber gleich selbst anführen will. Man wird sagen, wir würden durch diese Neueinrichtung dem »Jüdischen Nationalfonds* schaden. Die Sache ist aber m. E. nicht so gefährlich, wie sie auf den ersten Blick scheinen mag. Es gibt ja auch Nichtzionisten im B. J. C, die ihr Geld auch auf bekowete Art loswerden wollen und sollen, und die Zionisten werden auch für den B. J. C. noch etwas Kleingeld übrig haben Man bedenke: wenn jeder V. J. Ster pro Semester nur ü,50 Mk. spendet, hat der B. J. C. schon über 200 Mk. gewonnen! Ich glaube, die Einrichtung würde sich rentieren und übergebe sie hiermit der Oeffent- Hchkeit zur Beurteilung.