Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1907)
- Date
- 1907-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537641-3537647--0672-3538746- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der jüdische Student. 157 Gebiete zuwenden. Aber ich glaube, er hat auch Daseinszweck, wenn er nur etwas davon erreicht und einige junge V. J. Ster in ihrem Streben nach möglichster Vervollkommnung zu unterstützen vermag. Sally Markhoff. Zur Kasse!! Eine Anregung von Henry Unna. Nach den theoretischen Erörterungen über den B. J. C, die wir hier gelesen haben, möchte ich einmal eiuen praktischen Vorschlag zur Discussion stellen. Ich wundere mich, dass nicht schon früher Erörterungen rein praktischer Natur hier stattgefunden haben, ja, ich bedaure es. Ich halte es für unumgänglich notwendig, dass z. B. alle wichtigen Kartelltags-Anträge erst hier veröffentlicht und besprochen werden. Nur ist es zu vermeiden, dass K. T.-Delegierte sich im Laufe einer ermüdenden Discussion, bei der zumeist nicht Vernunftsgründe sondern rhetorische Künste von bestimmendem Einfluss sind, über die wichtigsten Angelegenheiten entscheiden müssen. Zur Illustration erinnere ich nur an den Antrag zur Gründung des B. J C.-Präsidiums auf dem letzten K. T.! Ich würde es also freudig begrüssen, wenn das Präsidium auf die Tagesordnung des nächsten K. T. keinen Antrag setzen würde, der nicht zu einer angemessenen Zeit vorher an dieser Stelle veröffentlicht worden ist. Diesen m. E. recht praktischen Vorschlag möchte ich jedoch nur als Einleitung zu den folgenden Erörterungen vorausgeschickt haben. In den Jubel über das Wachsen, Blühen und Gedeihen der verschiedenen Kartellvereine, in den Freudentaumel über das Gelingen des »letzten* Winterfestes, das — stets — der »Glanzpunkt* des Semesters war — in alle Begeisterung klingt immer am Schlüsse des Semesters ein schriller Ton: Wir alle kennen ihn, den leidigen Pessimisten, den unerbittlichen Künder der Wahrheit, der uns durch diesen Misston in die Wirklichkeit zurückreisst: Es ist der Kassenwart, der nie mit genügend grossem Dank dechargiert werden kann, da er verurteilt ist, bei uns die Rolle der Kassandra zn spielen. Aber auch die K. W. K. W. sehen nur das kommende Unheil, wehren können sie ihm nicht, denn ihre pessimistischen Prophezeiungen werden meist belächelt. Man tröstet sich: Die lumpigen tausend Mark! Schulden dienen nur zur Decoration, sie machen uns couleurfäHg etc. Jeder kennt die schönen Redensarten, mit denen man sich über die Misere hinwegzuhelfen versucht. Auf die Dauer erscheinen sie lächerlich, ja fast bitter und ironisch. Man darf sich nicht auf den Flügeln der Begeisterung und des Jdealismus so weit von seinem festen Grund und Boden entfernen, dass man ihm nicht wiedererreichen kann. Zurück zur Wirklichkeit, trotzdem sie rauh, nein: gerade weil sie schon so rauh ist!! Ich will hier