Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1907)
- Date
- 1907-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537641-3537647--0671-3538745- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
156 Der jüdische Student. seitigen Ausbildung entgegenzuarbeiten; die andere, die besonders bei einer grösseren Fuxenkorona in Betracht kommt, soll die sein, einen innigeren Zusammenschluss der Füxe und ein engeres Interesse am Vereinsleben herbeizuführen. Ich kann mich, zumal die Redaktion mir nur geringen Platz einräumen will, nur auf kurze Andeutungen beschränken. Es lässt sich da schon mit geringen Mitteln genug erreichen. Man unternehme z. B. das, was bis dahin jeder für sich unternommen, gemeinsam, gemeinsame Besuche von Theatern, Konzerten, Vorträgen, Ausstellungen, Museeen etc.; das ist interessanter und bildender — man kann sich unter dem frischen Eindruck des Gesehenen und Gehörten aussprechen — und in vielen Fällen billiger, billiger für 10 Leute, sich einen Ausstellungskatalog oder ein neu erschienenes Buch auzuschaffen, als für einen. Sehr empfehlen möchte ich Besichtigungen von industriellen und sozialen Anlagen Heute, wo unser wirtschaftliches Leben eine so wichtige Bedeutung, auch in 'kultureller Beziehung, einnimmt, ist es unbedingt nötig, dass nicht allein Techniker und Nationalökonomen die Stätten kennen lernen, in denen dieses Leben pulsiert. Gegebenenfalls kann sich auch der F. C. an die Exkursionsämter der Wildenschaften anschliessen, dieselben treffen ihre Veranstaltungen ausdrücklich für alle Studierende. Gelegentliche allgemeinbildende Vorträge, zu denen man auch die Burchen heranziehen müsste, fielen ebenfalls in den Rahmen dieser Bestrebungen. Und endlich wäre noch Sorge zu tragen für das Anlegen einer Bibliothek, die Bücher und Zeitschriften allgemeinen Inhaltes enthielte. Man wende nicht ein, dass dafür die Volks- und Leihbibliotheken genügen. Bekanntlich sind dort die Bücher, die man grade wünscht, nie zu haben, und Neuerscheinungen werden erst nach längerer Zeit angeschafft. Was die andere Aufgabe des F. C. betrifft, so hat er Sorge zu tragen für einen anregenden Verlauf der Kneipen, durch Vorbereitung von Vorträgen und Liedern. Er veranstaltet Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung der Studienstadt, Ruderpartien, Festlichkeiten u. a. Er ist die erste Instanz für Streitigkeiten zwischen den Füxen; er macht dem B. C. Vorschläge betr. der Wahl seines Fuxmajors und kann wichtige Punkte der Tagesordnung vor der Sitzung des A. C. für sich besprechen. Es muss das alles nur systematisch geordnet werden, etwa in der Weise, dass der X des F. C einem die Sorge für Besichtigungen und Ausflüge, einem anderen die für Vorträge und Bibliothek überträgt. An diese hätten sich auch die anderen Füxe mit Vorschlägen zu wenden. Verkehrt ist es, wie es hier in Charlottenburg geschehen, alles nur einem zu überlassen; dann erlahmt sofort das Interesse der anderen. Hier muss jeder mitarbeiten! Selbstverständlich wird der F. C. nicht alles das ausführen können. Er wird sich je nach den örtlichen Verhältnissen, den Interessen der Majorität und nach der Jahreszeit diesem oder jenem